Seit der deutlichen Korrektur im Oktober bewegt sich Bitcoin (BTC) seit Wochen in derselben Preisspanne. Doch Jurrien Timmer, Makrostratege beim Vermögensverwalter Fidelity, warnt, dass die Gefahr nicht gebannt ist. Er sieht die Möglichkeit, dass BTC auf 45.000 Dollar fallen könnte. Eine weitere Abwärtsbewegung könnte das Marktsentiment erheblich belasten.
Bitcoin-Kurs zwischen zwei entscheidenden Zonen
Laut Fidelity befindet sich Bitcoin an einem technischen Wendepunkt. In einer Analyse auf X identifiziert Timmer 65.000 Dollar als erste wichtige Unterstützungszone. Im Vergleich zum aktuellen Kurs von 90.700 Dollar würde das einen Rückgang von über 28 Prozent bedeuten.
Das Kursniveau von 65.000 Dollar liegt nahe dem Hoch, das Bitcoin 2021 erreichte. Timmer meint, dieses Niveau könnte bei längerer Konsolidierung als neue Unterstützung dienen. Sollte diese Grenze jedoch durchbrochen werden, zeigt das sogenannte Power-Law-Modell 45.000 Dollar als nächsten entscheidenden Punkt an.
Das Power-Law-Modell ist eine mathematische Methode, die versucht, das langfristige Wachstum von Bitcoin auf Basis historischer Preisdaten vorherzusagen. Es zeichnet eine Trendlinie, die zeigt, wo der BTC-Kurs langfristig liegen sollte, unabhängig von kurzfristigen Schwankungen.
Laut Timmer fungiert das Preisniveau von 45.000 Dollar als mathematische Untergrenze innerhalb des historischen Wachstumspfads von BTC. Ein Unterschreiten dieses Niveaus könnte auf eine tiefere Korrektur oder eine anhaltende Stagnation des Marktes hindeuten.
Timmer bezeichnet die Region um 45.000 Dollar daher als „eine Linie im Sand“, die für das langfristige Bild entscheidend ist. Ein Rückgang von Bitcoin auf dieses Niveau würde einen Verlust von etwas mehr als 50 Prozent im Vergleich zum aktuellen Kurs bedeuten.
Ist das eine Bullen- oder Bärenmarkt?
In derselben Analyse äußert Timmer Zweifel an der zunehmend populären Auffassung, dass der klassische vierjährige Halving-Zyklus seine prognostische Bedeutung verloren hat. Einige Analysten glauben, dass Bitcoin mittlerweile in eine strukturelle Aufwärtsphase eingetreten ist, in der tiefgreifende Korrekturen von 70 Prozent oder mehr der Vergangenheit angehören.
Unter Experten ist eine Spaltung erkennbar. Auf der einen Seite steht das Lager, das am Halving-Zyklus festhält: Etwa zwei Jahre nach jeder Halving erreicht Bitcoin traditionell seinen Höchststand, gefolgt von einem ausgeprägten Bärenmarkt. Dieses Muster scheint sich auch dieses Jahr zu wiederholen. Im Oktober, etwa 500 Tage nach dem Halving im April 2024, erreichte BTC seinen Rekordpreis, woraufhin eine Korrektur einsetzte.
Dennoch verläuft die Korrektur bislang relativ mild. Timmer warnt davor, dass ein tieferer Rückgang weiterhin möglich ist. Laut dem klassischen Modell kann der Kurs nach einem Höchststand um 75 bis 90 Prozent fallen.
Auf der anderen Seite gibt es Analysten wie Cathie Wood von ARK Invest. Sie interpretiert den aktuellen Rückgang als normale Korrektur innerhalb eines breiteren Bullenmarktes.
Ihrem Urteil nach verliert der Halving-Zyklus an Bedeutung durch die zunehmende Rolle institutioneller Investoren. Anstelle fester Zyklen bestimmt nun vor allem die monetäre Zyklen das Tempo des Marktes.
In diesem Zyklus spielt Liquidität eine Schlüsselrolle. Die US-Notenbank senkte im Dezember zum dritten Mal in Folge die Zinsen und unternahm erste Schritte in Richtung quantitativer Lockerung (QE), um die Geldmenge zu erhöhen.
Für Wood ist dies ein Grund zu glauben, dass weitere Kursrückgänge begrenzt bleiben und sich Bitcoin zu einem reifen ‚Risk-on‘-Investment entwickelt.
Timmer teilt diesen Optimismus nur teilweise. „Ich denke, der Einfluss des Halvings nimmt ab, aber dass Rückgänge der Vergangenheit angehören, glaube ich nicht,“ betont er.
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