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Die Europäische Zentralbank (EZB) wird voraussichtlich nächste Woche erneut den Leitzins anheben. Laut den Ökonomen der ING ist eine Erhöhung um 25 Basispunkte so gut wie sicher. Entscheidend ist jedoch nicht der Zinsschritt an sich, sondern die Frage, welche Pläne die EZB danach verfolgt.
Anleger richten deshalb ihr Augenmerk auf die Pressekonferenz der EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Dort wird sich zeigen, ob die Zentralbank weiteren Spielraum für Zinserhöhungen sieht oder eine zurückhaltende Haltung einnimmt.
Die ING erwartet, dass die EZB den Einlagensatz von zwei auf 2,25 Prozent erhöht. Diese Maßnahme beschreibt die Bank als eine Art Versicherungsanhebung. Damit versucht die Zentralbank zu verhindern, dass die Inflation erneut stark ansteigt und sie später gezwungen wird, aggressiver einzugreifen.
Laut ING unterscheidet sich die aktuelle Situation jedoch stark von der im Jahr 2022, als die EZB hinter den Entwicklungen zurückblieb und die Inflation rasch anstieg. Damals lag die Inflation bereits deutlich über acht Prozent, als die erste Zinserhöhung durchgeführt wurde. Auch befand sich der Zinssatz noch im negativen Bereich.
Heute ist das Bild ein anderes. Zwar setzen steigende Energiepreise die Inflation erneut unter Druck, doch viele Indikatoren bleiben relativ moderat. Zudem verfügen Verbraucher über weniger finanzielle Reserven als während der Energiekrise vor einigen Jahren. Dadurch ist es unwahrscheinlicher, dass Unternehmen höhere Kosten vollständig an die Verbraucher weitergeben können.
Die ING erwartet daher keine neue Inflationswelle wie im Jahr 2022.
Während der Sitzung wird die EZB auch eine neue Reihe von Wirtschaftserwartungen präsentieren. Die ING rechnet dabei nicht mit großen Überraschungen.
Trotz der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten haben sich wichtige Marktindikatoren wie Ölpreise, Anleiherenditen und Wechselkurse laut der Bank kaum im Vergleich zu früheren Prognosen verändert.
Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass die Inflationserwartung für dieses Jahr leicht angehoben wird. Gleichzeitig könnte die Wachstumsprognose für die Eurozone etwas niedriger ausfallen. Für die langfristige Entwicklung erwartet die ING jedoch wenig Änderungen.
Die zentrale Frage für die Finanzmärkte ist, ob die EZB auf weitere Zinserhöhungen hinweist.
Die ING geht davon aus, dass Lagarde hier vorsichtig agiert. Während die Zentralbank im Jahr 2022 künftige Zinserhöhungen häufig im Voraus angekündigt hatte, ist die Situation laut den Ökonomen nun anders. Die Unsicherheit über das Wirtschaftswachstum nimmt zu und innerhalb der EZB gibt es unterschiedliche Meinungen über die Notwendigkeit zusätzlicher Straffungen.
Deshalb rechnet die ING damit, dass die Zentralbank an einem sogenannten „Sitzung zu Sitzung“-Ansatz festhält. Das bedeutet, dass künftige Entscheidungen weiterhin von neuen Wirtschaftsdaten abhängen werden.
Laut der Bank wird die EZB versuchen, eine ausgewogene Botschaft zu vermitteln. Einerseits möchte sie vermeiden, dass die Märkte denken, dies sei die letzte Zinserhöhung. Andererseits will sie auch keine neue Serie von Zinserhöhungen ankündigen.
Auf der Pressekonferenz wird auch ein neues Gesicht neben Lagarde zu sehen sein. Boris Vujčić, ehemaliger Gouverneur der kroatischen Zentralbank, hat seit diesem Jahr die Rolle des Vizepräsidenten der EZB übernommen.
Er ersetzt Luis de Guindos während der Pressekonferenz. Damit bekommt die EZB erneut einen Vizepräsidenten mit einem Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften. Dennoch erwarten EZB-Beobachter nicht, dass Vujčić eine Hauptrolle spielen wird. Traditionell sind die Beiträge der Vizepräsidenten während der Pressekonferenzen begrenzt.
Mit einer nahezu sicheren Zinserhöhung und vielen Unklarheiten über die nächsten Schritte verspricht die kommende EZB-Sitzung erneut ein bedeutendes Ereignis für Anleger und Finanzmärkte zu werden.
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