Während sich die Finanzwelt auf eine weitere negative Sitzung vorbereitete, überraschte Donald Trump am Mittwochabend Freund und Feind, indem er plötzlich die höheren Importzölle für die meisten Handelspartner der USA vorübergehend aussetzte. Die Ankündigung hatte sofortige Wirkung: Europäische Aktien sprangen heute Morgen fast 5% nach oben, mit deutlichen Gewinnen im Bankensektor, der Technologie und der Industrie.
Börsen bekommen Luft, aber China bleibt außen vor
Das Anlegervertrauen in europäische Namen, die in den letzten Wochen stark abgestraft wurden, scheint zurückzukehren. Der Stoxx 600, der am Mittwoch noch auf dem niedrigsten Stand seit Januar schloss, erholte sich mit einem beeindruckenden Sprung von 4,9% im frühen Handel. Banken legten sogar um 6,9% zu, gefolgt von Technologie (+6,5%) und Industrie (+5,8%).
Trumps neue Richtung ist vorläufig: Für 90 Tage streicht er die gegenseitigen Importzölle, was wie ein Versuch aussieht, die Märkte zu beruhigen. China erhielt keine Ausnahme, im Gegenteil, die Zölle in Richtung Peking stiegen sogar auf 125%, nachdem China zuvor die Gegenmaßnahme angekündigt hatte von 84% Einfuhrzoll auf amerikanische Produkte.
Europa reagierte bereits früher mit eigenen Gegenmaßnahmen auf tausende amerikanische Produkte als Reaktion auf frühere Abgaben auf europäischen Stahl. Es blieb unklar, ob die gegenseitigen Zölle für die EU auch gestrichen würden, aber dies wurde gestern vom Weißen Haus bestätigt.
Halbleitersektor und Maersk schießen nach oben
Chipunternehmen waren bemerkenswerte Ausreißer in der Morgensitzung. Infineon stieg um 10,9%, gefolgt von BE Semiconductor (+10,7%), ASMI (+10%) und ASML (+6,4%). Obwohl Halbleiter vorerst nicht von den angepassten Zöllen betroffen sind, warnte Trump letzte Woche noch, dass dieser Sektor „sehr bald“ dennoch getroffen werden könnte.
Die dänische Reederei Maersk, die als Barometer für den Welthandel gilt, erhielt ebenfalls einen erheblichen Schub. Der Aktienkurs stieg um 12%, auch dank des vorübergehenden Aussetzens von Zöllen auf Länder wie Mexiko und Kanada, wo Maersk starke logistische Positionen hat.
Bei Citi sehen Analysten Grund, sich erneut für europäische Aktien zu positionieren. Sie stellen fest, dass der Eurostoxx zuvor zu hart bestraft wurde und sehen das Zollaussetzen als Chance. Auch ihre Strategie rund um Gold wird wieder aufgenommen, nachdem zuvor Gewinne mitgenommen wurden. „Wir bleiben strukturell positiv und steigen jetzt wieder ein“, heißt es.
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