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Der bevorstehende Börsengang von Anthropic könnte zu einem wichtigen Moment für den rasant wachsenden KI-Sektor werden. Nicht nur, weil das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude an die Börse gehen könnte, sondern vor allem, weil Anleger erstmals Einblick in eine Kennzahl erhalten dürften, die bislang weitgehend im Verborgenen lag: wie viel von jedem Dollar Umsatz tatsächlich übrig bleibt.
Nach einer Analyse von PitchBook könnte die Gewinnmarge von Anthropic erhebliche Folgen für die Bewertung des Unternehmens haben. Auch der Konkurrent OpenAI sowie börsennotierte Unternehmen, die Milliarden in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz investieren, könnten die Auswirkungen zu spüren bekommen.
Anthropic und OpenAI haben den verfügbaren Informationen zufolge zuletzt vertrauliche Unterlagen für einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) eingereicht. Anthropic dürfte als erstes Unternehmen seinen öffentlichen Prospekt vorlegen.
Damit könnte das Unternehmen der erste große KI-Entwickler werden, der Anlegern umfassenden Einblick in seine Finanzkennzahlen gibt.
Die Erwartungen sind hoch. Anthropic wurde in seiner jüngsten privaten Finanzierungsrunde mit 965 Milliarden Dollar bewertet. Die Bewertung von OpenAI lag bei 852 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig wächst Anthropic in hohem Tempo. Der jährlich wiederkehrende Umsatz, eine wichtige Kennzahl für Unternehmen mit Abonnements und langfristigen Verträgen, stieg der Analyse zufolge von rund 1 Milliarde Dollar Ende 2024 auf 47 Milliarden Dollar Mitte 2026.
Mehr als tausend Geschäftskunden sollen inzwischen jährlich mindestens 1 Million Dollar an Anthropic zahlen. Zudem setzen acht der zehn größten US-Unternehmen aus der Fortune 10 Claude tatsächlich in ihrem Geschäftsbetrieb ein.
PitchBook bewertet die Qualität von Anthropic mit 8,2 von 10 Punkten. OpenAI kommt im selben Bewertungsmodell auf 4,8 Punkte.
Das enorme Wachstum ist jedoch nur eine Seite der Geschichte. KI-Modelle zu entwickeln und zu betreiben, ist kostspielig. Vor allem die benötigte Rechenleistung und GPUs schlagen stark zu Buche.
Genau deshalb wird der Markt besonders genau auf die Marge von Anthropic achten.
Nach Angaben von PitchBook gab das Unternehmen im ersten Quartal rund 0,71 Dollar für Rechenleistung aus, um 1 Dollar Umsatz zu erzielen. Im zweiten Quartal soll dieser Wert auf etwa 0,56 Dollar gesunken sein. Auf dieser Basis steuert Anthropic auf eine Gewinnmarge von rund 44 Prozent zu.
Dieser Wert ist entscheidend, um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen. Eine Bewertung von 965 Milliarden Dollar setzt der Analyse zufolge voraus, dass Anthropic langfristig eine Gewinnmarge von etwa 40 bis 50 Prozent erreichen kann. Zudem müsste der Umsatz bis 2030 auf rund 345 bis 450 Milliarden Dollar steigen.
Der Prospekt könnte zeigen, ob der erste Teil dieser Erwartung realistisch ist. Das künftige Umsatzwachstum bleibt deutlich schwerer vorherzusagen.
Eine enttäuschende Marge könnte daher weitreichende Folgen haben. PitchBook berechnet, dass eine Gewinnmarge von weniger als 35 Prozent den geschätzten fairen Wert von Anthropic um rund 70 bis 81 Prozent senken könnte.
Damit reicht die Bedeutung des Börsengangs weit über Anthropic hinaus.
OpenAI steht letztlich vor derselben Frage. Der Analyse zufolge weist das Unternehmen zudem ein weniger günstiges Margenprofil auf. Hinzu kommt, dass OpenAI rund 20 Prozent seines Umsatzes an Microsoft abführen muss.
Auch für Unternehmen, die Milliarden in Rechenzentren, Chips und andere KI-Infrastruktur investieren, steht viel auf dem Spiel. Die derzeitige Investitionswelle beruht zu einem großen Teil auf der Erwartung, dass Entwickler von KI-Modellen langfristig hochprofitable Unternehmen werden können.
PitchBook verweist deshalb neben der Gewinnmarge auf vier weitere Faktoren, auf die Anleger voraussichtlich besonders achten werden: die Zusammensetzung des Umsatzes, die Kundenbindung und steigende Ausgaben bestehender Kunden, die Profitabilität nach offiziellen Rechnungslegungsstandards sowie die Abhängigkeit von kostspieliger Rechenleistung.
Eine Kennzahl ragt dennoch heraus. Sobald Anthropic seine Bücher öffnet, erhält der Markt erstmals ein klareres Bild davon, wie viel Geld eines der größten KI-Unternehmen der Welt mit seinem explosionsartig wachsenden Umsatz tatsächlich verdienen kann.
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