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Europa mangelt es nicht an Ersparnissen, Talenten oder Ideen. Das Problem ist, dass der Kontinent diese Stärke nicht ausreichend bündelt.

Das ist der Kern eines Gastbeitrags von Enrico Letta in der Financial Times. Der frühere italienische Ministerpräsident argumentiert, Europa müsse finanziell deutlich stärker werden, wenn es geopolitisch relevant bleiben wolle.

Nach Ansicht Lettas hat Europa die wirtschaftliche Größe einer Großmacht, aber nicht die dazugehörige finanzielle Schlagkraft.

Ersparnisse fließen ab

Laut Letta zeigt sich Europas Schwäche vor allem an den Finanzmärkten. Die europäischen Haushalte sparen viel, doch dieses Kapital wird zu selten für Wachstum in Europa mobilisiert.

Ein großer Teil des Kapitals fließt ins Ausland, vor allem in die Vereinigten Staaten. Gleichzeitig müssen europäische Unternehmen für ihre Expansion häufig außerhalb Europas nach Geld suchen.

Das führt zu einer ungewöhnlichen Schieflage. In der Realwirtschaft sind Europa und die USA noch in gewissem Maße vergleichbar. Die EU steht für rund 18 Prozent der Weltwirtschaft, die Vereinigten Staaten für etwa 25 Prozent.

An den Aktienmärkten ist der Abstand dagegen enorm. US-Unternehmen machen mehr als 60 Prozent des weltweit investierbaren Aktienmarkts aus. Europäische Unternehmen kommen nur auf rund 10 Prozent.

Stabilität wurde wichtiger als Wachstum

Letta räumt ein, dass Europa nach der Finanzkrise zu Recht großen Wert auf Stabilität gelegt hat. Banken sollten sicherer werden, das System durfte nicht erneut kollabieren.

Das ist gelungen. Nach seiner Einschätzung ist Europa dabei jedoch zu weit gegangen. Das Finanzsystem ist sicherer geworden, fördert Wachstum aber nicht ausreichend. Europäische Unternehmen sind weiterhin stark von Banken abhängig, während tiefe und integrierte Kapitalmärkte fehlen.

Innovative Unternehmen kommen dadurch schwerer an Kapital, wachsen langsamer und wandern eher in Märkte ab, in denen Finanzierungen leichter verfügbar sind.

Spar- und Investitionsunion

Die Lösung sieht Letta in der Spar- und Investitionsunion. Das Projekt soll die Ersparnisse europäischer Haushalte besser mit europäischen Unternehmen, Infrastruktur und Innovation verbinden.

Dabei geht es nicht darum, Stabilität aufzugeben, sondern das System intelligenter auszurichten. Banken sollen mehr Spielraum für Kredite erhalten. Gleichzeitig müssen Europas Kapitalmärkte tiefer, größer und stärker integriert werden.

Ziel ist, dass Europa seine eigene Zukunft finanziert, statt Ersparnisse zu exportieren und Abhängigkeiten zu importieren.

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