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Der Euro ist gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr abgerutscht. Auf den ersten Blick wirkt das paradox, denn fallende Ölpreise sind für Europa eigentlich eine gute Nachricht. Die Eurozone ist stark von Energieimporten abhängig: Wird Öl billiger, lässt der Inflationsdruck nach und die Wirtschaft bekommt etwas Luft.
Am Devisenmarkt kommt das jedoch anders an. Anleger werten den Rückgang des Ölpreises vor allem als Argument dafür, dass die Europäische Zentralbank wohl weniger entschlossen nachlegen muss. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinsschritte, während die US-Notenbank zuletzt wieder einen strafferen Ton angeschlagen hat.

Der Ölpreis fällt, da die Hoffnung wächst, dass eine Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran die Öllieferungen durch die Straße von Hormus weiter stabilisiert.
Für Europa ist das von entscheidender Bedeutung. Der Anstieg der Energiepreise nach Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten traf die Eurozone hart. Höhere Energiekosten belasten private Haushalte, Unternehmen und die Industrie. Sinkt nun der Ölpreis, fällt der Inflationsschock weniger stark aus.
Damit nimmt auch ein Teil des Drucks auf die EZB ab, die Zinsen weiter anzuheben. Zwar hat die Notenbank den Leitzins erst Anfang des Monats erneut erhöht, doch Investoren zweifeln inzwischen, ob noch viele weitere Schritte folgen.
Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen für eine Schwäche der europäischen Konjunktur. Die hohen Energiepreise der vergangenen Monate haben ihre Spuren hinterlassen. Neue Einkaufsmanagerindizes deuten auf eine schrumpfende Wirtschaftsaktivität in der Eurozone hin. Das macht Anleger beim Blick auf die Wachstumsaussichten vorsichtiger.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde wies zudem darauf hin, dass die jüngsten Konjunkturdaten derzeit keine stärkere geldpolitische Reaktion erfordern. An den Märkten gilt dies als Hinweis, dass die EZB womöglich nahe am Ende ihres Zinserhöhungszyklus ist.
Jenseits des Atlantiks ist das Bild ein anderes. Die US-Wirtschaft zeigt sich vergleichsweise robust, während die Inflation über 4 Prozent liegt. Nach dem strafferen Kurs der Federal Reserve setzen Anleger in den USA wieder verstärkt auf weitere Zinserhöhungen. Das macht den Dollar attraktiver.
Europa bekommt zwar günstigere Energie, zugleich aber schwächeres Wachstum, was zusätzliche Zinsschritte weniger wahrscheinlich macht. In den USA treffen eine solide Konjunktur, eine hohe Inflation und eine Fed, die an ihrem harten Kurs festhalten will, aufeinander – damit steigen die Chancen weiterer Zinserhöhungen. Am Devisenmarkt spricht das für den Dollar.
Anfang des Jahres setzten viele Analysten noch auf einen starken Euro. Die Idee: Anleger könnten angesichts der chaotischen Politik von Trump ihre Dollar-Positionen reduzieren, während Europa von stabileren Rahmenbedingungen profitieren würde.
Einige Marktbeobachter sahen den Euro sogar in Richtung 1,20 US-Dollar steigen. Dieses Szenario ist vorerst vom Tisch. In diesem Monat ist der Euro um 2,6 Prozent auf etwa 1,135 US-Dollar gefallen – der niedrigste Stand seit Juni 2025.
Auch gegenüber dem britischen Pfund steht der Euro unter Druck. Der Markt ist damit nicht nur skeptischer gegenüber Europa geworden, sondern vor allem optimistischer für den Dollar.
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