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Die Rally bei KI-Aktien gerät plötzlich ins Wanken, und heute Abend steht der nächste Test bevor. Nach Börsenschluss in den USA legt Oracle seine Quartalszahlen vor und die gesamte Branche schaut zu. Denn nach Wochen der Euphorie sind die Anleger plötzlich deutlich kritischer geworden.
Der Zeitpunkt ist vielsagend. Genau vor einer Woche trübte der Chip-Hersteller Broadcom mit einer enttäuschenden Prognose die Stimmung und beendete abrupt den spektakulären Aufschwung von Chip-Herstellern und anderen KI-Aktien. Seitdem ist der Halbleiterindex um 9,1 Prozent gefallen und der Nasdaq 100 steht knapp 5 Prozent tiefer.
Die Frage, die nun über dem Markt schwebt: War das nur ein einmaliger Rückschlag oder der Beginn von etwas Größerem? Oracle muss heute Abend als Erster darauf antworten.
Oracle verdiente jahrelang sein Geld mit Datenbanksoftware, doch mittlerweile dreht sich die Wachstumsstory vor allem um Cloud-Computing. Die explosive Nachfrage nach KI-Rechenleistung sorgte in den vergangenen Jahren für starkes Umsatzwachstum und eine Flut neuer Verträge.
Diese Expansion hat jedoch eine Kehrseite. Um der Nachfrage gerecht zu werden, investiert Oracle Milliarden in neue Rechenzentren und Infrastruktur. Die Ausgaben sind so schnell angestiegen, dass der freie Cashflow mittlerweile unter null gesunken ist. Damit wächst auch die Skepsis an der Wall Street: Kann Oracle diese ehrgeizigen Expansionspläne weiterhin finanzieren?
Laut Cyrus Amini von Hyphen Wealth Management, das die Aktie für Kunden hält, dreht sich bei den Quartalszahlen alles um eine zentrale Frage. Kann Oracle seine enormen Investitionen tatsächlich in Umsatz und Gewinn umwandeln, ohne dass die Bilanz zu stark belastet wird?
Gibt das Unternehmen darauf keine überzeugende Antwort, befürchtet Amini, dass die Anleger wenig Geduld zeigen werden. In diesem Szenario hält er eine deutliche Kursreaktion für wahrscheinlich.
Vor der vergangenen Woche war die Oracle-Aktie wieder im Aufwärtstrend. Damit schien das Unternehmen sich von einem schwachen vierten Quartal zu erholen, als sich Anleger Sorgen um die große Abhängigkeit von OpenAI machten. Dieses Unternehmen bekam mehr Konkurrenz von Anthropic und Google auf dem Markt für KI-Dienste.
Vom Jahresanfang bis zum Höhepunkt 2026 stieg Oracle um 27 Prozent. Danach drehte sich die Stimmung. Die Aktie fiel zusammen mit anderen Unternehmen, die stark auf den KI-Hype setzen, wie Dell und Super Micro Computer.
Laut Anurag Rana von Bloomberg Intelligence müssen die Quartalszahlen vor allem klären, ob Oracle über genügend Kapazität verfügt, um die enorme KI-Nachfrage zu befriedigen.
Für Anleger dreht sich diese Woche alles um einen Bereich: Oracle Cloud Infrastructure (OCI). Diese Cloud-Sparte bildet das Herzstück der KI-Strategie des Unternehmens und muss zeigen, dass sich die Milliardeninvestitionen auszahlen.
Analysten gehen davon aus, dass der OCI-Umsatz im vierten Quartal, das Ende Mai abgeschlossen wurde, um satte 92 Prozent gestiegen ist. Ein Jahr zuvor lag das Wachstum noch bei 52 Prozent. Sollte Oracle diese Erwartungen erfüllen, wäre das ein starkes Signal, dass die Nachfrage nach KI-Infrastruktur unvermindert hoch bleibt.
Gleichzeitig betrachten Anleger die Profitabilität kritisch. Der bereinigte Gewinn je Aktie wird voraussichtlich bei 1,97 Dollar liegen, etwa 16 Prozent höher als vor einem Jahr. Demgegenüber dürfte die Bruttomarge auf fast 67 Prozent sinken, verglichen mit rund 72 Prozent im Vorjahr.
Genau hier liegt laut John Belton von Gabelli Funds, das Oracle-Aktien hält, die größte Herausforderung. „Man sieht das Umsatzwachstum beschleunigen, aber die Frage ist, wie profitabel dieses Wachstum letztlich ist“, erklärt er. Oracle verlagert sich zunehmend von einer stabilen und sehr rentablen Datenbank-Sparte hin zu einem kapitalintensiven Anbieter von Cloud-Infrastruktur. Das eröffnet Wachstumschancen, bringt aber auch niedrigere Margen und eine größere Abhängigkeit von wenigen großen Kunden mit sich.
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