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Ondo Finance nimmt sich eines der größten Probleme tokenisierter Aktien an. Das Kryptoprojekt räumt Inhabern seiner tokenisierten Aktien künftig Stimmrechte ein – ähnlich wie klassischen Aktionären. Damit greift Ondo eine Debatte auf, die die Branche seit Längerem spaltet.

Broadridge stellt die Stimmrechte bereit

Ondo arbeitet dafür mit Broadridge zusammen, einem großen Anbieter von Finanzinfrastruktur. Inhaber von mehr als 250 tokenisierten Wertpapieren können künftig abstimmen und offizielle Aktionärsunterlagen einsehen.

Tokenisierte Aktien sind klassische Aktien, die in handelbare Token auf einer Blockchain übertragen wurden. Dadurch ist Handel rund um die Uhr möglich.

Genau dort liegt jedoch das Problem. Mit einem solchen Token hält man die eigentliche Aktie nicht selbst.

Man hat einen Anspruch auf den Wert, während Aktionärsrechte wie das Stimmrecht häufig fehlen. Genau an diesem Punkt setzt Ondo nun an.

Die Abstimmung läuft über ProxyVote.com, die bestehende Plattform von Broadridge. Anleger melden sich mit ihrer Krypto-Wallet an und erhalten dieselben Rechte wie Investoren mit einem klassischen Wertpapierdepot.

Erste Aktien nach US-Regeln

Gleichzeitig geht Ondo einen zweiten Schritt. Das Unternehmen bringt seine ersten tokenisierten Wertpapiere auf den Markt, die vollständig unter US-Regeln fallen.

Dabei handelt es sich um eine tokenisierte Version von BlackRocks iShares Core S&P 500 ETF (IVV) sowie um Aktien des Chipherstellers Micron (MU).

Nach Angaben von Ondo sind dies die ersten Wertpapiere im Drittparteienmodell der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC). Die echten Aktien verbleiben in der bestehenden US-Verwahrkette, während auf Ethereum 1:1 entsprechende Token ausgegeben werden.

Ein wichtiges Detail: Für US-Anleger ist das Produkt bislang nicht verfügbar.

Ondo-CEO Ian De Bode sieht in dem Schritt eine Antwort auf ein hartnäckiges Missverständnis.

„Tokenisierte Wertpapiere in den USA werden zu oft als Entweder-oder zwischen konkurrierenden Modellen und Anbietern dargestellt. Diese Sichtweise greift zu kurz.“

Alte Debatte gewinnt wieder an Schärfe

Der Mangel an echten Aktionärsrechten hatte bereits im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt. OpenAI hatte die Diskussion damals deutlich zugespitzt.

Das KI-Unternehmen erklärte, die tokenisierten Aktien von Robinhood nicht genehmigt zu haben. Nach Darstellung von OpenAI vermittelten die Token kein echtes Eigentum am Unternehmen.

Das geschieht in einer Phase, in der der Markt rasant wächst. Nach Daten von RWA.xyz liegt der Gesamtwert tokenisierter Aktien bei 1,67 Milliarden Dollar, verteilt auf knapp 181.000 Inhaber. Seit Mai 2025 ist dieser Markt fast auf das Vierzehnfache gewachsen. Ondo ist dabei nicht der einzige Anbieter. Auch Backed Finance, Robinhood sowie Börsen wie Nasdaq und NYSE arbeiten an tokenisierten Wertpapieren.

Der breitere Markt für tokenisierte Assets ist noch um ein Vielfaches größer. Er kommt inzwischen auf mehr als 32 Milliarden Dollar, wobei US-Staatsanleihen die größte Kategorie auf der Blockchain bilden.

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