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Der Kryptomarkt hat sich zu einem Markt entwickelt, in dem harte Umsätze zählen – und kaum ein Anleger hat es bemerkt. Das sagt der Anlagechef eines großen US-amerikanischen Krypto-Vermögensverwalters.
Das Argument, das jahrelang gegen Krypto ins Feld geführt wurde, kehre sich nun um. Er nennt mehrere Projekte, die von dieser „Umsatzrevolution“ profitieren könnten.
Nach Einschätzung von Matt Hougan vom Vermögensverwalter Bitwise erklärt genau dieser blinde Fleck, warum Krypto derzeit so günstig wirkt.
„Die meisten Anleger haben diesen Wandel noch nicht wirklich wahrgenommen. Genau deshalb werden Krypto-Assets aus meiner Sicht zu Kursen gehandelt, die zu niedrig erscheinen“, schreibt er.
Die Kritik hält er für berechtigt: Projekte wuchsen auf Millionen Nutzer und Milliardenumsätze, doch beim Token oder seinen Inhabern kam davon kaum etwas an.
„Selbst mir als überzeugtem Optimisten fiel es mitunter schwer zu erklären, warum bestimmte Assets Milliarden wert sein sollten.“
Diese Phase sei nun vorbei, meint Hougan.
„Abseits von Bitcoin befinden wir uns inzwischen in einer Phase, in der der Wert von Krypto-Assets zunehmend an derselben Kennzahl hängt wie bei Aktien und Anleihen: am Umsatz.“
Bei Bitcoin (BTC) und den meisten Blockchains fließt der Großteil oder sogar die gesamte Summe der Transaktionsgebühren an die Miner oder Validatoren, die das Netzwerk betreiben. Bei den darauf aufbauenden Anwendungen bleibt dieses Geld dagegen im Protokoll. Immer häufiger wird damit der eigene Coin gekauft und verbrannt, also aus dem Umlauf genommen.
Diese Entwicklung ist noch jung – und sie hat viel mit Washington zu tun. Unter der früheren Führung der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) galt eine Beteiligung von Tokenhaltern an Umsätzen schnell als illegale Ausgabe von Wertpapieren.
„Man stelle sich vor, jedes Start-up im Silicon Valley müsste damit rechnen, von der Regierung verklagt zu werden, sobald es Umsätze an Investoren weitergibt“, schreibt Hougan.
Viele Projekte wichen deshalb auf Governance-Token aus, die Stimmrechte gewähren, aber keinen Anspruch auf Einnahmen. Das änderte sich, nachdem die SEC im Juli 2023 einen Rechtsstreit gegen das XRP-Unternehmen Ripple verloren hatte und Paul Atkins den Vorsitz übernahm.
Hyperliquid zählte zu den Vorreitern. Die Handelsplattform erzielte im vergangenen Jahr mehr als 800 Millionen Dollar Umsatz und verwendet davon rund 99 Prozent, um HYPE zurückzukaufen und zu verbrennen.
Inzwischen seien weitere Projekte gefolgt, schreibt Hougan.
Je mehr Coins verbrannt werden, desto günstiger ist das für den Kurs. Es entsteht echte, wiederkehrende Nachfrage, während zugleich weniger Coins auf dieselbe Zahl von Käufern verteilt werden.
Der Trend greift inzwischen auch auf die Blockchains selbst über. Bei Solana (SOL) liegt der Vorschlag SGP-0003 auf dem Tisch. Er würde die Ausgabe neuer Coins senken und das Verbrennen von Transaktionsgebühren um das bis zu 14-Fache erhöhen.
Außerhalb der Kryptobranche nimmt kaum jemand den Wandel wahr. Innerhalb des Sektors sitzt das Misstrauen nach Jahren leerer Versprechen tief. Deshalb hinkten die Kurse den Zahlen hinterher, argumentiert Hougan.
Uniswap verarbeitet ein ähnliches Handelsvolumen mit Kryptowährungen wie Coinbase. Dennoch kommen alle UNI-Token zusammen nur auf einen Wert von 2,4 Milliarden Dollar – ein Bruchteil der Marktkapitalisierung der US-Kryptobörse.
In den kommenden 12 bis 24 Monaten dürften die Plattformen seiner Einschätzung nach immer höhere Umsätze erzielen.
„Die Marken sind etabliert, und Vertrauen ist knapp.“
Ein Risiko bleibt allerdings. Tokenhalter haben keinen rechtlichen Anspruch auf diese Einnahmen, denn die Community legt die Regeln fest und kann sie jederzeit wieder ändern.
Hougan hält mindestens eine Verdoppelung der Bewertungen für möglich, falls seine These aufgeht. „Jahrelang war Umsatz das stärkste Argument gegen Krypto. Nun könnte er zum stärksten Argument dafür werden.“
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