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Der japanische Yen ist gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit 1986 gefallen. Das mag nach einem lokalen Problem klingen, ist es aber nicht.

Japan spielt im globalen Finanzsystem weiterhin eine wichtige Rolle. Die Zinsen sind niedrig, die Ersparnisse enorm, und seit Jahren fließt viel Kapital an ausländische Märkte. Damit ist der Yen mehr als nur eine Währung. Er ist eine zentrale Finanzierungsquelle für weltweite Investments.

Der Carry Trade bleibt anfällig

Weil die Zinsen in Japan deutlich niedriger sind als in den USA, nehmen Anleger günstig Yen-Kredite auf, um anderswo höher verzinste Anlagen zu kaufen. Das können US-Staatsanleihen sein, aber auch Aktien und Technologiewerte.

Diese Strategie ist als Carry Trade bekannt. Solange der Yen schwach bleibt und die japanischen Zinsen niedrig sind, funktioniert sie gut. Anleger leihen sich günstig Geld, investieren es in teureren Märkten und profitieren von der Zinsdifferenz.

Steigt der Yen jedoch plötzlich oder erhöht die Bank of Japan die Zinsen weiter, kann dieser Trade schnell schmerzhaft werden. Dann müssen Anleger Positionen schließen, Yen zurückkaufen und Risiken reduzieren. Vor nicht allzu langer Zeit wurde sichtbar, wie gefährlich das werden kann.

Die Lehre aus 2024

Genau das geschah 2024. Damals hob die Bank of Japan den Leitzins überraschend auf 0,25 Prozent an. Für japanische Verhältnisse reichte das bereits aus, um eine Schockwelle auszulösen. Der japanische Topix verlor an einem Tag 12 Prozent. Der Yen legte kräftig zu. Und der Nasdaq fiel in den folgenden Wochen um mehr als 13 Prozent.

Das zeigte, wie schnell indirekte Verbindungen plötzlich sehr direkt werden können. Es gibt keinen einfachen Eins-zu-eins-Zusammenhang zwischen dem Yen und amerikanischen Tech-Aktien. Wenn jedoch viele Anleger dieselbe Finanzierung nutzen, kann eine Bewegung beim Yen andernorts zu erzwungenen Verkäufen führen.

Inflation setzt Japan unter Druck

Die Lage ist erneut heikel. Der Yen nähert sich der Marke von 163 je Dollar, während Japan auf Energieimporte angewiesen ist, die in Dollar bezahlt werden. Ein schwacher Yen verteuert Öl und Gas. Der Krieg rund um Iran erhöht dieses Risiko zusätzlich.

Dadurch könnte die Inflation in Japan weiter steigen, und der Druck auf die Bank of Japan wächst, erneut einzugreifen. Möglich wären Zinserhöhungen oder Interventionen am Devisenmarkt. Beides könnte den Carry Trade unter Druck setzen.

Auch US-Staatsanleihen spielen eine Rolle

Japan ist zudem ein großer Käufer von US-Staatsanleihen. Das macht die Verbindung zwischen japanischen Ersparnissen und der amerikanischen Staatsverschuldung besonders wichtig.

Heute ist diese Anfälligkeit größer als früher. Die US-Staatsverschuldung und das Haushaltsdefizit sind deutlich höher als Ende der achtziger Jahre. Auch Japan hat inzwischen einen enormen Schuldenberg angehäuft. Sollte infolge eines Eingriffs der Zentralbank massiv Kapital nach Japan zurückfließen, könnte das die US-Zinsmärkte belasten.

Das heißt: Die Renditen am US-Anleihemarkt könnten deutlich steigen, weil japanische Anleger dort Kapital abziehen. Diese höheren Zinsen würden anschließend Druck auf Aktien, Bitcoin (BTC) und Gold ausüben.

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