Der US-Dollar verliert an Boden – und das bleibt an der Wall Street nicht unbemerkt. Immer mehr große Finanzhäuser suchen Schutz in der sogenannten „Debasement-Trade“: einer Strategie, mit der sich Anleger gegen die Verwässerung von Fiatgeld absichern. Doch warum gerade jetzt – und was sagt das über das Vertrauen in das Finanzsystem aus?
Anleger flüchten in Bitcoin und Gold
Nach Ansicht des Unternehmers Anthony Pompliano vollzieht sich unter Investoren ein Umschwung.
„Darüber gibt es keine Debatte mehr. Die Leute sehen, dass Dollar und Anleihen unter Druck geraten – und dass Bitcoin (BTC) und Gold davon profitieren“, sagte er vergangene Woche in seinem bekannten Podcast. Es sei eine Erkenntnis, die bei Bitcoinern und Goldfans seit Jahren präsent sei: „Niemand wird jemals aufhören, Geld zu drucken.“
Der „Debasement-Trade“ beruht auf der Idee, dass Geld durch das anhaltende Gelddrucken der Zentralbanken schleichend an Wert verliert. Anleger flüchten daher in knappe Vermögenswerte, die ihren Wert besser halten – etwa Gold und Bitcoin. Nicht ohne Grund: Gold ist in diesem Jahr bereits um gut 50 Prozent gestiegen, und der Bitcoin Kurs liegt 23 Prozent im Plus.
Bitcoin als „Anti-Debasement“-Währung entworfen
Nach Ansicht von Jeff Park, Chief Investment Officer bei ProCap BTC, ist das Momentum eindeutig: „Wir wollten, dass Private-Wealth-Manager und Finanzberater Bitcoin als Position in ihre Portfolios aufnehmen. Jetzt passiert das endlich.“
Diese Entwicklung lässt sich laut Brian Cubellis von Onramp Bitcoin gut erklären. Die Defizite nehmen zu, die Schulden wachsen weiter, und die lockere Geldpolitik hält die Realzinsen niedrig. Deshalb suchen Anleger nach etwas, das seinen Wert bewahrt – und finden es in Gold und Bitcoin.
Dennoch geht es über eine einfache Flucht in Edelmetalle oder Krypto hinaus. Enrique Ho, CFO von Blink Wallet, nennt Bitcoin „anti-debasement by design“. Die Kryptowährung hat einen festen Bestand, eine transparente Emission und kommt ohne zentrale Kontrolle aus. Aus seiner Sicht ist sie der reinste Weg, Kapital zu erhalten – in einer Welt, in der Geld selbst ständig im Wert schwankt.
Dollar verliert auf dem Weltmarkt an Boden
Den Wandel spiegelt auch der Wert des US-Dollars wider. Verfolgen lässt sich das über den US Dollar Index (DXY), der den Dollar mit einem Korb anderer großer Währungen wie Euro und Yen vergleicht. Der Index fiel in diesem Jahr von 110 im Januar auf ein Tief von 96,3 im September – ein Rückgang um zwölf Prozent.
Für viele Analysten zeigt der Aufstieg des Debasement-Trades, dass das Vertrauen in traditionelle Währungen und Politik langsam erodiert. Wo Anleger früher blind auf die Stabilität von Dollar und Staatsanleihen setzten, suchen sie heute Schutz außerhalb des bestehenden Systems.
Das heißt nicht, dass das Finanzsystem unmittelbar ins Wanken gerät – wohl aber, dass die Rolle alternativer Anlagen wie Gold und Bitcoin in einer Welt, in der Fiatgeld langsam an Wert verliert, immer wichtiger wird.
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