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Europa muss unabhängiger von amerikanischen digitalen Zahlungsmitteln werden. Das fordert Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank.
Er sieht Chancen für europäische Alternativen, betont jedoch, dass rasch gehandelt werden muss, da die USA Fortschritte in der Gesetzgebung zu Stablecoins machen.
Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, ruft europäische Entscheidungsträger dazu auf, die Entwicklung digitaler Alternativen zu bestehenden Bezahlsystemen zu priorisieren. In einer Rede in Frankfurt betonte er die Bedeutung eines digitalen Euro sowohl für Verbraucher als auch einer sogenannten ‚Wholesale CBDC‘ für Banken.
Nagel hält eine eigene digitale Währung für entscheidend, um die monetäre Souveränität Europas zu wahren. „Die Europäische Zentralbank arbeitet intensiv an der digitalen Euro“, sagte er. Dabei spielt er auf eine Zentralbankwährung für Konsumenten und auf Anwendungen für Finanzinstitute an, wie programmierbare Transaktionen in digitalem Zentralbankgeld.
Nagel sieht zudem Potenzial in euro-denominierten Stablecoins, die grenzüberschreitende Zahlungen günstiger und schneller machen könnten. „Ich sehe durchaus Vorteile“, stellte er fest. „Sie können breit von Unternehmen und Bürgern genutzt werden.“
Nagels Appell kommt zu einem Zeitpunkt, da die USA bei der Regulierung von Stablecoins an vorderster Front stehen. So hat der US-Kongress kürzlich den sogenannten GENIUS Act eingeführt, der einen klaren rechtlichen Rahmen für digitale Währungen, die an den amerikanischen Dollar gekoppelt sind, bietet.
Die Gesetzgebung hat die Innovation in den USA gefördert. Große Unternehmen wie Amazon und Walmart erwägen nun ihre eigenen Stablecoins. Dadurch können sie Milliarden an Transaktionskosten sparen, dank direkter, kostengünstiger Zahlungen ohne die Einschaltung traditioneller Banken.
In der Zwischenzeit dominieren Dollar-Stablecoins wie USDT und USDC den Markt. Gemeinsam erreichen sie eine Marktkapitalisierung von über 257 Milliarden Dollar und decken mehr als 82 Prozent des weltweiten Stablecoin-Marktes ab. Stablecoins, die an den Euro gebunden sind, sind kaum vorhanden.
Nach Nagels Einschätzung birgt das Risiken. „Die monetäre Souveränität Europas könnte erheblich beeinträchtigt werden, wenn wir keine eigenen Alternativen entwickeln“, warnte er.
Nagel stellt fest, dass der Mangel an digitalen Zahlungsmitteln in Europa nicht nur ein technisches Problem darstellt, sondern auch eine geopolitische Herausforderung. Die Abhängigkeit von amerikanischen Technologieunternehmen und der Dollar-Infrastruktur macht Europa in einer sich verändernden Weltordnung verwundbar.
Aus diesem Grund plädiert er für mehr Investitionen in digitale Infrastruktur und die Stärkung der internationalen Rolle des Euro. Sowohl ein digitaler Euro als auch euro-denominierte Stablecoins sind seiner Meinung nach strategische Mittel, um die Abhängigkeit von ausländischen Zahlungsnetzwerken zu reduzieren.
Vergangene Woche machte das Europäische Parlament bereits einen Schritt in diese Richtung, indem es sich für sowohl eine Online- als auch eine Offline-Version des digitalen Euro aussprach. Dies bringt die Pläne der Europäischen Zentralbank der Umsetzung näher.
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