Das Vertrauen deutscher Investoren ist im März durch den Krieg mit Iran dramatisch gesunken. Der ZEW-Erwartungsindex, ein wichtiger Indikator für das Wirtschaftsklima in Europas größter Volkswirtschaft, fiel von 58,3 im Februar auf -0,5 im März. Das liegt weit unter der Prognose von 39,2 und ist der niedrigste Stand seit der Ankündigung erster Handelstarife durch Trump im April letzten Jahres.
Energiepreise gefährden zartes Wirtschaftswachstum
ZEW-Präsident Achim Wambach nannte die Ursache direkt. Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Energiepreise in die Höhe und erhöht den Inflationsdruck. Dadurch wächst das Risiko, dass sich das vorsichtige wirtschaftliche Wachstum in Deutschland verlangsamt. Wie stark sich diese Effekte auswirken, hängt laut Wambach vollständig von der Dauer und Intensität des Konflikts ab.
Der Zeitpunkt ist ungünstig. Deutschland profitiert derzeit von geplanten Investitionen in Höhe von Hunderten Milliarden Euro in Infrastruktur und Verteidigung. Doch die steigenden Öl- und Gaspreise drohen diesen positiven Effekt zunichte zu machen. Die Deutsche Bank senkte letzte Woche bereits ihre Wachstumsprognose für 2026 von 1,5% auf 1%.
Schwacher Start trotz positiver Signale
Bereits vor Ausbruch des Krieges gestaltete sich der Jahresbeginn schwierig. Die Industrieproduktion, die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe, die Exporte sowie die Einzelhandelsumsätze blieben hinter den Erwartungen zurück. Ein Lichtblick zeigte sich lediglich im Februar, als Unternehmensumfragen signalisierten, dass das verarbeitende Gewerbe erstmals seit 2022 wieder ein Wachstum verzeichnete.
Im Jahr 2025 wuchs die deutsche Wirtschaft nach zwei Jahren der Rezession nur um 0,2%, ein Tempo, das Bundeskanzler Friedrich Merz als „unbefriedigend“ bezeichnete.
Märkte reagieren, EZB tagt
Deutsche Staatsanleihen stiegen nach der Meldung, wodurch die Zehnjahresrenditen auf 2,92% sanken. Händler reduzierten ihre Erwartungen an Zinserhöhungen.
Die Zahlen wurden unmittelbar vor der zweitägigen Sitzung der EZB veröffentlicht, bei der die Währungshüter versuchen werden, die Auswirkungen des Iran-Konflikts auf das Wachstum und die Inflation in der Eurozone zu bewerten. Bisher ließen die Entscheidungsträger verlauten, dass es für endgültige Schlussfolgerungen noch zu früh sei.
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