Gold erlebt derzeit ein bemerkenswertes Comeback in den Reserven der Zentralbanken. Laut einer neuen Analyse der Deutschen Bank verlagert sich der Schwerpunkt der weltweiten Reserven langsam, aber sicher weg vom US-Dollar. Das hebt Gold auf ein Niveau, das seit den 1980er Jahren nicht mehr erreicht wurde.
Gold verdreifacht sich in den Tresoren
Inzwischen macht Gold etwa 30 Prozent der weltweiten Zentralbankreserven aus. Im Vergleich zum Tiefpunkt in den 1990er-Jahren, als das Edelmetall nur zehn Prozent der Reserven ausmachte, ist das eine Verdreifachung.

Der Dollar bewegt sich in die andere Richtung. Der Anteil der US-Währung an den offiziellen Reserven ist von über 60 Prozent zu Beginn dieses Jahrhunderts auf heute etwa 40 Prozent gesunken. Damit beträgt der Abstand zwischen Dollar und Gold nur noch 10 Prozentpunkte, was die Strategin Mallika Sachdeva von der Deutschen Bank als „extrem auffällig“ bezeichnet.
Zentralbanken haben seit der Finanzkrise 2008 mehr als 225 Millionen Feinunzen Gold zu ihren Reserven hinzugefügt. Eine Feinunze ist eine internationale Gewichtseinheit für Edelmetalle und entspricht 31,1 Gramm.
Die Welt bekommt neue Bruchlinien
Laut der Deutschen Großbank steckt die Geopolitik hinter dieser Verschiebung. Die 1990er-Jahre waren eine Zeit der Entspannung und Globalisierung, mit den Vereinigten Staaten als unangefochtener Supermacht. Diese Ruhe ist verschwunden.
Länder geraten wieder in Konflikte über Einflusssphären, der Freihandel gerät ins Stocken und der Dollar wird zunehmend als Waffe eingesetzt. Die Einfrierung russischer Dollar- und Euroguthaben im Jahr 2022 war für viele Hauptstädte ein Weckruf. Gold hat dieses Problem nicht, da es keine Verbindlichkeit ist und einfach im eigenen Tresor bleiben kann.
Schwellenländer erhöhen ihre Goldreserven
Die Käufe kommen vor allem aus Schwellenländern. China, Russland, Indien und die Türkei sind die bekannten Namen, doch die Deutsche Bank sieht die Gruppe rasch wachsen. Polen, Kasachstan, Saudi-Arabien, Katar, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate kaufen kräftig zu.
Dennoch gibt es noch viel Spielraum. Ende 2025 machten in aufstrebenden Ländern nur 16 Prozent der Reserven Gold aus, im Vergleich zu 34 Prozent in entwickelten Volkswirtschaften.
Sollten diese Schwellenländer auf 40 Prozent aufstocken, skizziert die Deutsche Bank ein Szenario, in dem der Goldpreis innerhalb von fünf Jahren auf 8.000 Dollar pro Unze steigen könnte. Das wäre fast eine Verdopplung gegenüber dem aktuellen Niveau von rund 4.600 Dollar.
Die Deutsche Bank weist darauf hin, dass es sich hierbei nicht um eine offizielle Preisprognose handelt, sondern um eine rechnerische Schätzung. Sie fügt sich jedoch in das Gesamtbild ein, dass sich Gold von einer Krisenabsicherung zu einer festen Säule des internationalen Währungssystems entwickelt.
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