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Anleger halten häufig viel zu lange an einer Aktie oder einem Coin fest, der seit geraumer Zeit hinterherläuft. Grund ist der Endowment-Effekt, auch Besitzeffekt genannt: Was einem gehört, erscheint einem allein deshalb wertvoller.
Wissenschaftler warnen seit Jahrzehnten davor, doch diese verbreitete Denkfalle kostet Anleger weiterhin Rendite.
Der US-Ökonom Richard Thaler gab dem Phänomen 1980 seinen Namen. Zehn Jahre später belegte er es gemeinsam mit Nobelpreisträger Daniel Kahneman und seinem Kollegen Jack Knetsch in einem berühmten Experiment.
Die Hälfte einer Studentengruppe bekam einen Kaffeebecher geschenkt. Anschließend durften die Besitzer ihren Becher an die andere Hälfte verkaufen. Die Eigentümer verlangten meist 7,12 Dollar, während Käufer nur bis 2,87 Dollar gingen.
Allein der Besitz des Bechers machte ihn in den Augen der Eigentümer also mehr als doppelt so wertvoll. Die Erklärung dafür ist Verlustaversion. Etwas zu verlieren schmerzt ungefähr doppelt so stark, wie ein Gewinn Freude bereitet.
Bei Anlegern tritt zum Endowment-Effekt häufig der Dispositionseffekt hinzu: die Neigung, Gewinner zu früh zu verkaufen und Verlierer zu lange zu halten.
Der Ökonom Terrance Odean wertete für eine Studie aus dem Jahr 1998 die Daten von 10.000 US-amerikanischen Wertpapierdepots aus. Dabei zeigte sich, dass Anleger eineinhalbmal häufiger dazu neigten, Gewinne mitzunehmen, als Verluste zu realisieren.
Das kostete sie viel Geld. Die verkauften Gewinner entwickelten sich im folgenden Jahr im Schnitt um 3,4 Prozentpunkte besser als die Verlierer, an denen sie festhielten.
Auch Kryptoinvestoren tappen in diese Falle. Forscher fanden 2023 dasselbe Muster in Daten der Bitcoin-Blockchain. Dort ist das Halten von Coins unter dem Begriff „hodl“ sogar zu einer Art Ehrenkodex geworden. Bei Bitcoin (BTC) kann das durchaus eine sinnvolle Strategie sein, bei Altcoins wie Cardano (ADA) ist die Lage jedoch eine andere.
Das ist naheliegend, denn ein Coin ist für viele Halter mehr als nur eine Anlage. Um digitale Coins entstehen enge Communities, in denen ein Verkauf fast wie Verrat wirken kann.
Eine einfache Prüfung hilft: Würde man die Aktie oder den Coin heute noch kaufen, wenn man ihn nicht bereits besäße? Lautet die Antwort nein, spricht wenig dafür, die Position weiter zu halten.
Forscher des California Institute of Technology (Caltech) entdeckten 2014 noch einen weiteren Kniff. Anleger, die ihren Einstiegskurs nicht sehen konnten, trennten sich deutlich leichter von Verlustpositionen. Wer den Kaufkurs ausblendet und nur nach vorn schaut, trifft also deutlich rationalere Entscheidungen.
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