Immer mehr DeFi-Protokolle distanzieren sich von öffentlichen Discord-Servern. Entwickler bezeichnen die Plattform als Brutstätte für Betrüger, die gezielt hilfesuchende Nutzer angreifen. Das Kreditprotokoll Morpho hat seinen Server diese Woche auf Read-Only umgestellt und verweist künftig auf alternative Supportkanäle.
Morpho: „Discord ist kein sicherer Ort mehr für Support“
Laut Morpho-Mitbegründer Merlin Egalite sind Nutzer trotz strenger Moderation und Sicherheitsmaßnahmen Opfer von Phishing-Angriffen geworden. Betrüger geben sich als Supportmitarbeiter aus und versuchen, Menschen über private Nachrichten und falsche Links zu täuschen.
„Wir haben Alternativen wie Intercom getestet“, erklärt Egalite. „Damit können wir den Support besser strukturieren und es wird klarer, wer in unserem Namen antwortet.“
Auch DefiLlama und Aave erwägen Ausstieg
Morpho ist nicht allein. Auch DefiLlama, bekannt durch die gleichnamige Datenplattform, reduziert die Abhängigkeit von Discord. Gründer 0xngmi erklärt, dass Nutzer auch außerhalb des Servers kontaktiert werden, was einen vollständigen Schutz nahezu unmöglich macht.
Marc Zeller vom Aavechan Initiative spricht sich dafür aus, dass auch Aave Labs den Abschied von Discord in Erwägung zieht. „Betrüger sind überall, aber auf Discord ist es systematisch. Nutzer, die Fragen stellen, werden direkt angegriffen.“
Branche: Vom Chatroom zur verlässlichen Support-Struktur
Richard Rodairos vom Investmentfonds Dragonfly bezeichnet öffentliche Discord-Server als „eine der schwächsten Stellen im Kryptobereich“. Seiner Meinung nach sei es an der Zeit, den Fokus auf klare Dokumentation, Ticketsysteme und professionelle Supportkanäle zu legen.
Auch Duncan Cock Foster (Nifty Gateway) begrüßt diese Entwicklung. Er sagt, dass die Moderation von Discord bei seinem vorherigen Unternehmen eine große Belastung für das Team darstellte und sogar mental belastend war.
Nicht alle begrüßen den Abschied
Einige Community-Mitglieder warnen davor, dass das Verlassen von Discord einen wichtigen Aspekt von DeFi untergräbt: die offene, Peer-to-Peer-Kommunikation. Nutzer Llamaonthebrink nennt es „wertvoll, an Projektdiskussionen teilzuhaben und mitzulesen“.
Andere weisen darauf hin, dass das Problem nicht bei Discord selbst liegt, sondern am Mangel an guter Moderation. „Jede Plattform zieht Betrüger an“, sagt nft_dreww. „Es kommt darauf an, wie man damit umgeht.“
Warum dies gerade jetzt relevant ist
Das schnelle Wachstum von DeFi zieht immer mehr neue Nutzer an, die oft anfälliger für Phishing und Social Engineering sind. Projekte suchen daher nach einem Gleichgewicht zwischen Zugänglichkeit und Sicherheit. Geschlossene Supportkanäle mit klar erkennbarer Kommunikation scheinen zur neuen Norm zu werden.
Ob Discord vollständig aus dem DeFi-Bereich verschwindet, bleibt abzuwarten. Dass Protokolle ihre Supportstrategie überdenken, scheint jedoch unausweichlich.
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