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Vitalik Buterin hält es für möglich, dass neue kryptografische Verfahren künftig vollständig anonyme Abstimmungen und Wahlen über die Blockchain ermöglichen. Eine zentrale Stelle oder eine vertrauenswürdige Gruppe zur Verwaltung der Stimmen wäre dann nicht mehr nötig. Die Technologie steht allerdings noch am Anfang und erfordert vorerst enorme Rechenleistung.
Der Ethereum-Mitgründer (ETH) beschreibt in einem technischen Essay, wie sogenannte Indistinguishability Obfuscation (iO) für geheime und schwer manipulierbare Blockchain-Abstimmungen genutzt werden könnte. Buterin bezeichnet das Problem als eine Art „Endgegner der Kryptografie“.
In heutigen Systemen werden verschlüsselte Stimmen meist von einer Gruppe von Parteien verwaltet, die das Ergebnis gemeinsam entschlüsselt. Die Sicherheit beruht dabei auf der Annahme, dass genügend Beteiligte ehrlich handeln und ihre Schlüssel zuverlässig schützen. Anders gesagt: Die Verlässlichkeit des Systems hängt weiterhin von Vertrauen ab.
Nach Einschätzung Buterins könnte iO diese Zwischenschicht langfristig überflüssig machen. Das Verfahren wandelt Software in ein geschütztes Programm um, das zwar ausgeführt werden kann, dessen zugrunde liegender Code und gespeicherte Daten aber nicht ausgelesen werden können.
Bei einer Abstimmung würde ein solches Programm die verschlüsselten Stimmen verarbeiten und ausschließlich das Endergebnis veröffentlichen. Einzelne Stimmen blieben verborgen, während niemand allein Zugriff auf sämtliche Daten erhielte.
Das könnte vor allem für dezentrale Governance-Strukturen wichtig werden. Vertrauliche Abstimmungen verringern das Risiko von Einschüchterung, Bestechung und anderen Formen der Einflussnahme. Zugleich können Teilnehmer ihre Präferenz äußern, ohne ihre Identität oder ihr Abstimmungsverhalten offenzulegen.
Buterin betont, dass iO vorerst noch nicht praktisch einsetzbar ist. Die sichersten Varianten erfordern ihm zufolge „galaktische“ Mengen an Rechenleistung. Zwar gibt es schnellere Versionen, diese beruhen jedoch auf Sicherheitsannahmen, die bislang nicht ausreichend erprobt sind.
Die Blockchain bleibt zudem notwendig, um nachträgliche Änderungen an Ergebnissen zu verhindern und Abstimmungen öffentlich überprüfbar zu halten. Ein geschütztes Programm allein kann weder verhindern, dass es kopiert wird, noch veränderliche Daten zuverlässig nachverfolgen.
Die Überlegungen passen zu Buterins breiterem Fokus auf Datenschutz. Im vergangenen Jahr stellte er bereits eine Roadmap vor, um Datenschutzfunktionen direkt in Ethereum-Wallets zu integrieren. Im Januar stellte er zudem 16.384 ETH, damals rund 45 Millionen Dollar, für Projekte in den Bereichen Datenschutz, offene Infrastruktur und digitale Autonomie bereit.
Vorerst bleibt iO vor allem ein Forschungsfeld. Buterin sieht die Technik dennoch als wichtigen Baustein für künftige Blockchain-Governance, bei der Abstimmungen zugleich vertraulich, überprüfbar und weniger abhängig von Intermediären sein könnten.
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