Der letzte Handelstag im April geht hektisch an den Finanzmärkten los. Der Ölpreis schießt in die Höhe, asiatische Börsen notieren im Minus und die Futures deuten auf Verluste in den USA und Europa hin. Die bekannte Börsenweisheit „sell in May and go away“ scheint in diesem Jahr verfrüht einzutreten.
Ölpreis auf höchstem Stand seit Kriegsbeginn
Der unmittelbare Auslöser sind neue Unruhen rund um den Iran. Laut Berichten von Axios wird Präsident Donald Trump heute über mögliche neue militärische Aktionen der USA gegen Iran informiert. Dadurch wächst die Befürchtung, dass der bewaffnete Konflikt erneut aufflammen könnte.
Brent-Öl ist aufgrund der neuen Sorgen auf den höchsten Stand seit Kriegsbeginn gestiegen. Diese Entwicklung ist von großer Bedeutung, da höhere Ölpreise erneut Aufwärtsdruck auf die Inflationserwartungen ausüben.
In den vergangenen Wochen konnten die Märkte den Krieg im Nahen Osten erstaunlich gut abschütteln. Es gab einen fragilen Waffenstillstand, der später verlängert wurde, und Anleger hofften auf weitere Deeskalation. Dies ermöglichte es den Aktienmärkten, nahezu ungestört auf neue Rekordhöhen zu klettern.
Doch der erneute Anstieg des Ölpreises ändert das Bild. Wenn Energie wieder teurer wird, haben die Zentralbanken weniger Spielraum für Zinssenkungen. Das ist schlechte Nachrichten für Aktien und andere risikobehaftete Anlagen, die in den letzten Monaten von der Hoffnung auf lockerere Finanzbedingungen profitierten.
Börsen geben nach starkem April nach
Die asiatischen Märkte verzeichneten am Donnerstag auf allen Ebenen Verluste. Auch die Futures für die amerikanischen und europäischen Börsen deuten auf eine schwache Eröffnung hin. Dennoch folgt dieser Rückgang auf einen auffallend starken Monat.
Der S&P 500 ist immer noch auf Kurs für den besten Monat seit 2020. Das zeigt, wie stark das April-Comeback war, trotz des Krieges, höherer Energiepreise und zunehmender Unsicherheiten hinsichtlich der Inflation.
Die Frage ist nun, ob diese Rally noch genügend Kraft hat. Die Anleger haben viele gute Nachrichten bereits eingepreist: die starken Unternehmensgewinne, die Hoffnung auf ein Friedensabkommen und eine US-Notenbank, die vorerst keine weitere Straffung vornimmt. Doch wenn der Ölpreis weiter steigt und geopolitische Risiken zurückkehren, könnte dieser Spielraum schnell verschwinden.
Zentralbanken bleiben wahrscheinlich vorerst auf Kurs
Heute richten Anleger auch ihr Augenmerk auf die Bank of England und die Europäische Zentralbank, die beide Zinsentscheidungen treffen. Ökonomen erwarten, dass sie die Zinsen unverändert lassen, ebenso wie die Federal Reserve gestern.
Die EZB wird voraussichtlich den Leitzins bei 2 Prozent belassen, während die Bank of England wohl bei 3,75 Prozent bleibt. Die Entscheidungsträger scheinen die vorübergehenden Inflationsschocks durch höhere Energiepreise vorerst ignorieren zu wollen, können jedoch nicht lockern, solange die Unsicherheit so groß ist.
Die Fed hatte zuvor die Zinsen ebenfalls unverändert gelassen, aber im Mittelpunkt stand die Uneinigkeit innerhalb des geldpolitischen Ausschusses. Diese war die größte seit 1992.
Europäische Banken sorgen für positive Überraschung
Trotz der geopolitischen Unruhe bleiben die Unternehmenszahlen recht stark. Europäische Banken wie Standard Chartered, BNP Paribas und Société Générale präsentierten Gewinne, die über den Erwartungen lagen. Auch DHL schnitt besser ab, als Analysten vorausgesehen hatten.
Das stützt die Einschätzung, dass die Wirtschaft noch nicht hart getroffen wurde. Dies kann sich jedoch ändern, wenn die Energiepreise länger hoch bleiben. Dann könnten die Verbraucher weniger ausgeben, die Unternehmen höhere Kosten haben und die Zentralbanken länger vorsichtig bleiben.
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