Der Krieg im Nahen Osten beeinflusst weite Teile der Wirtschaft. Fluggesellschaften streichen Flüge, Verbraucher zeigen sich vorsichtiger und Unternehmen warnen vor höheren Preisen aufgrund teurerer Energie, logistischen Problemen und Störungen in den Lieferketten.
An der Börse ist davon auf den ersten Blick wenig zu spüren. Seit Ausbruch des Krieges ist der Gesamtwert der größten börsennotierten Unternehmen weltweit um rund 5.400 Milliarden Dollar gestiegen, was einem Zuwachs von etwa 4,2 Prozent entspricht.
Chipunternehmen treiben den Markt an
Vor allem Chipunternehmen sind die großen Gewinner. Die gemeinsame Marktkapitalisierung von Chipfirmen mit einem Marktwert von mehr als 10 Milliarden Dollar ist seit Beginn des Krieges um 26 Prozent gewachsen. In Dollar ausgedrückt sind das etwa 3.700 Milliarden Dollar an zusätzlichem Börsenwert.

Unternehmen wie Intel, TSMC und andere AI-verwandte Chipproduzenten profitieren von der Annahme, dass der Investitionszyklus rund um künstliche Intelligenz noch lange nicht abgeschlossen ist. Investoren erkennen zunehmend, dass die Nachfrage nach Chips, Rechenzentren und Rechenleistung strukturell weiter wächst.
In Zeiten extremer makroökonomischer Unsicherheit setzen Anleger daher verstärkt auf Technologie. Nicht weil Tech gegen Kriege immun ist, sondern weil das Gewinnwachstum der großen AI-Unternehmen derzeit viel vorhersehbarer erscheint als das der zyklischen Sektoren.
AI wichtiger als der Krieg bei Konferenzgesprächen
Auch in der Unternehmenskommunikation wird dieser Wandel deutlich. Laut AlphaSense erwähnte fast zwei Drittel der großen börsennotierten Unternehmen während der Quartalsberichte AI. Das ist etwa doppelt so häufig wie der Krieg im Nahen Osten.

Das sagt viel darüber aus, worauf der Markt achtet. Der Krieg dominiert die Schlagzeilen, aber AI prägt die Bewertungen.
Laut Analysten der Capital Group handelt es sich hierbei nicht um einen gewöhnlichen Hype-Zyklus, sondern um einen nachhaltigen Investitionszyklus. Große Tech-Unternehmen investieren weiterhin massiv in AI-Infrastruktur. Solange diese Investitionen fortgesetzt werden, bleibt die Nachfrage nach Chips, Speicher, Netzwerken, Energie und Rechenzentren bestehen.
Energieunternehmen profitieren, aber nicht alle
Neben AI profitiert auch ein Teil des Energiesektors. Der Ölpreis ist seit Beginn des Krieges um etwa 50 Prozent gestiegen, was großen Ölkonzernen zusätzliche Cashflows beschert.
Saudi Aramco, PetroChina und TotalEnergies gehören zu den Gewinnern. Für Saudi Aramco bedeutet jeder Dollar Anstieg des Ölpreises etwa 1 Milliarde Dollar zusätzlicher freier Cashflow. Seit Kriegsbeginn hat das Unternehmen an Wert um 144 Milliarden Dollar zugelegt.
Das gilt jedoch nicht für alle Ölunternehmen. Firmen mit Produktion oder Infrastruktur in der Golfregion sind von Angriffen und Störungen betroffen. ExxonMobil und Shell sind beispielsweise mit hohen Wiederherstellungskosten in Katar konfrontiert.
Bitcoin, Aktien und Gold unter Druck: Gründe für den plötzlichen Einbruch
Die Finanzmärkte geraten stark unter Druck, weil der US-Dollar deutlich zulegt. Warum das besorgniserregend ist.
Chaos in der Straße von Hormus: USA und Iran geben widersprüchliche Anweisungen an Schiffe
Der Ölpreis ist stark gesunken, doch die Lage in der Straße von Hormus hat sich noch lange nicht normalisiert.
KOSPI-Börse in Südkorea stürzt um 10 Prozent ab: Handel vorübergehend ausgesetzt
Die südkoreanische Börse fiel um 10 Prozent von ihren Rekordständen. Besonders Chiptitel litten unter starken Kursverlusten durch Gewinnmitnahmen.
Meist gelesen
Kann der XRP-Kurs auf 10.000 Dollar steigen? Das sagt ein Analyst
Wird der Wert von XRP durch Spekulation oder echten Einsatz bestimmt? Analyst Eri erklärt, wie kollektives Vertrauen den Kurs beeinflusst.
Machine-Learning-Algorithmus sagt XRP-Kurs für den 1. Juli 2026 voraus
KI-Modelle prognostizieren weitere Schwäche für XRP. Große Abverkäufe durch Wale und sinkende Aktivität belasten den Kurs erheblich.
XRP-Investoren verkaufen verstärkt mit Verlust – ein positives Zeichen
XRP-Investoren verkaufen zunehmend mit Verlust, ein Signal, das laut On-Chain-Daten häufig in der Nähe von Tiefpunkten auftritt.
