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Große private Investoren ziehen Milliardenbeträge aus dem Markt für künstliche Intelligenz ab. Sie verkaufen Beteiligungen an Rechenzentren, streichen große Bauvorhaben und nutzen Börsengänge, um Schulden zu senken. Jede Entscheidung lässt sich für sich genommen erklären. Zusammen werfen sie jedoch eine unangenehme Frage auf: Hat der KI-Markt seinen Höhepunkt bald erreicht?

Die Entwicklungen überschlagen sich. Vor allem Blackstone und Brookfield, zwei wichtige Geldgeber des amerikanischen Rechenzentrumsbooms, gehen bei frischem Kapital offenbar vorsichtiger vor. Gleichzeitig mehren sich Hinweise, dass Tech-Konzerne mehr Rechenkapazität aufgebaut haben, als sie kurzfristig benötigen.

Blackstone verkauft Rechenzentren und streicht Megaprojekt

Blackstone verkaufte am 29. Juni Beteiligungen an drei vollständig vermieteten Rechenzentren in Nord-Virginia an Digital Realty Trust. Die Transaktion hatte ein Volumen von 3,5 Milliarden Dollar und brachte Blackstone rund 1,2 Milliarden Dollar an Barmitteln ein.

Nach Angaben der Investmentgesellschaft soll das frei gewordene Kapital in Bereiche fließen, die möglicherweise höhere Renditen versprechen. Der Verkauf bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass Blackstone das Vertrauen in die Zukunft von Rechenzentren verloren hat.

Eine andere Entscheidung wirft jedoch mehr Fragen auf. Drei Tage nach dem Verkauf stoppte QTS, ein Unternehmen aus dem Portfolio von Blackstone, das Projekt Digital Gateway. Daraus sollte im US-Bundesstaat Virginia ein Rechenzentrumscampus mit einer Fläche von rund 850 Hektar entstehen.

Der Standort hätte zum größten Rechenzentrumscampus der Welt werden können. Frühere Schätzungen bezifferten den möglichen Wert auf mehrere Dutzend Milliarden Dollar.

In einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission betonte QTS, die öffentliche Hand bleibe ein wichtiger Kunde. Auffällig ist dennoch, dass das Unternehmen ausgerechnet jetzt ein Projekt aufgibt, das über Jahre als zentraler Wachstumstreiber galt.

Brookfield nutzt Börsengang zum Schuldenabbau

Auch Brookfield setzt auf eine auffällige Finanzkonstruktion. Die Investmentgesellschaft startete am 6. Juli den Börsengang von Csquare, einem Anbieter von Infrastruktur für KI-Unternehmen und Cloud-Dienste.

Der Börsengang soll rund 1,35 Milliarden Dollar einbringen. Ein großer Teil der Summe ist nicht für neue Investitionen vorgesehen, sondern für den Abbau bestehender Schulden.

Csquare will unter anderem eine revolvierende Kreditlinie über 734 Millionen Dollar zurückzahlen. Zudem soll ein Teil des Erlöses für durch Vermögenswerte besicherte Anleihen im Umfang von 4,3 Milliarden Dollar verwendet werden.

Das Unternehmen vermietet Flächen, Ausrüstung und Strom an Firmen mit hohem Bedarf an Rechenleistung. Dazu zählen Entwickler künstlicher Intelligenz ebenso wie Anbieter von Cloud-Diensten.

Trotz der starken Nachfrage nach KI-Infrastruktur schreibt Csquare weiterhin Verluste. Im ersten Quartal lag der Nettoverlust bei 66 Millionen Dollar. Der Umsatz belief sich im selben Zeitraum auf 270,5 Millionen Dollar.

Brookfield sieht eigenen Angaben zufolge günstige Bedingungen für Unternehmen, die von großen Investmentgesellschaften unterstützt werden. Die Verwendung der eingeworbenen Mittel zeigt jedoch, dass der Schuldenabbau mindestens ebenso wichtig ist wie weiteres Wachstum.

Hinweise auf Überkapazitäten nehmen zu

Auf der Nachfrageseite gibt es inzwischen Anzeichen dafür, dass vorübergehend zu viel Rechenkapazität verfügbar ist. Bloomberg berichtete Anfang Juli, Meta Platforms wolle überschüssige Kapazitäten bei Grafikprozessoren vermieten.

Meta soll solche Chips im Wert von mehr als 100 Milliarden Dollar gekauft haben. Grafikprozessoren sind zentral für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle. Über Jahre waren die Chips kaum verfügbar. Die Vermietung ungenutzter Kapazitäten könnte nun auf eine veränderte Marktlage hindeuten.

Auch andere große Technologiekonzerne suchen offenbar nach Wegen, ihre Infrastruktur besser auszulasten. Aus einem Dokument, das SpaceX im Mai bei der SEC einreichte, ging hervor, dass Anthropic Zugang zu Rechenkapazität erhalten sollte, die ursprünglich für die KI-Aktivitäten von xAI aufgebaut worden war.

Dafür wäre eine monatliche Vergütung von 1,25 Milliarden Dollar fällig. Im Juni wurde zudem bekannt, dass Google eine ähnliche Vereinbarung mit SpaceX geschlossen hatte. Dabei soll es um rund 920 Millionen Dollar pro Monat gehen.

Nach Einschätzung von Aswath Damodaran, Finanzprofessor an der Stern School of Business der New York University, kann die Vermietung ungenutzter Kapazitäten darauf hindeuten, dass interne Projekte nicht genügend Rendite abwerfen.

Er warnt jedoch davor, aus einer einzelnen Vereinbarung zu viel abzuleiten. Für Damodaran ist sie vor allem ein Hinweis darauf, dass kurzfristig Überkapazitäten bestehen könnten.

Das ist relevant, weil private Investoren inzwischen eine zentrale Rolle beim Aufbau von KI-Infrastruktur spielen. Nach Angaben des Forschungsunternehmens MSCI stieg der geschätzte Gesamtwert von Bauprojekten für Rechenzentren von rund 60 Milliarden Dollar Anfang 2020 auf etwa 340 Milliarden Dollar im Jahr 2025.

Geschlossene private Fonds hielten im dritten Quartal 2025 Rechenzentrumsanlagen im Wert von rund 122 Milliarden Dollar. Strategen von JPMorgan schätzen, dass allein in diesem Jahr fast 700 Milliarden Dollar benötigt werden, um neue Rechenzentren zu finanzieren.

Langfristig könnte eine Finanzierungslücke von 1,4 Billionen Dollar entstehen. Die Frage ist, ob private Investoren bereit sind, diese Lücke zu schließen.

Diese Entscheidung wird durch zunehmenden Wettbewerb, ein mögliches Überangebot und höhere Finanzierungskosten schwieriger. Gleichzeitig wehren sich Kunden immer häufiger gegen die hohen Kosten von KI-Diensten.

Investor Paul Kedrosky argumentiert, dass große Technologiekonzerne ihre enormen Investitionen deshalb immer schwerer vollständig aus eigenen Mitteln stemmen können. Das Ausgabenwachstum liegt nach Angaben des Forschungsunternehmens Epoch AI deutlich über dem Wachstum der operativen Cashflows.

Der operative Cashflow der größten Technologiekonzerne wächst Schätzungen zufolge um rund 23 Prozent pro Jahr. Die Investitionsausgaben steigen dagegen um etwa 70 Prozent.

Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte der gemeinsame freie Cashflow der fünf größten Entwickler von KI-Infrastruktur bereits im dritten Quartal auf null fallen. Private Investoren stehen damit vor der Wahl, die nächste Wachstumsphase zu finanzieren oder ihr Risiko zu begrenzen, bevor teure Chips veralten und weniger Ertrag bringen.

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