Die Kräfte, die den Bitcoin Kurs in diesem Jahr auf neue Höhen getrieben haben, wirken nun in die entgegengesetzte Richtung. Zu diesem Schluss kommt das Krypto-Unternehmen NYDIG in einer neuen Analyse. Laut Forschungsleiter Greg Cipolaro kommt es zu einer „Kapitalflucht“ aus dem Markt, während die langfristigen Fundamentaldaten intakt bleiben.
Umgekehrter Trend bei ETF’s und Kryptounternehmen
Bitcoin erreichte im Oktober noch ein neues Hoch, angetrieben von starken Zuflüssen in die ETF’s und großen Käufen durch sogenannte Digital Asset Treasuries (DAT’s) – börsennotierte Unternehmen, die einen Teil ihrer Bilanz in Bitcoin anlegen.
Diese Motoren laufen inzwischen in die andere Richtung. Anfang Oktober führte eine große Liquidationswelle zur Trendwende: ETF-Ströme drehten ins Negative, DAT-Prämien brachen ein und die Menge der im Umlauf befindlichen Stablecoins sank erstmals seit Monaten. Nach Ansicht Cipolaros deutet das auf tatsächliche Kapitalabflüsse hin – und nicht nur auf schlechtere Stimmung.
„Wenn dieser reflexive Zyklus bricht, folgt der Markt in der Regel einem bekannten Muster“, schreibt er. „Die Liquidität trocknet aus, Leverage versucht zurückzukommen, findet aber keinen Halt, und frühere Erfolgsgeschichten führen nicht mehr zu neuen Zuflüssen.“
Bitcoin-Dominanz steigt trotz Abflüssen
Die ETF’s, die zuvor zu den größten Erfolgsfaktoren dieses Zyklus gehörten, wirken nun als Gegenwind für den Markt. Dennoch hält sich Bitcoin im Vergleich zu anderen Kryptowährungen weiterhin relativ gut.
In Kursrückgängen verlagert sich Kapital häufig in Bitcoin, die liquideste und etablierteste Währung im Ökosystem. Die Dominanz von Bitcoin stieg Anfang November wieder über 60 Prozent und liegt inzwischen bei rund 58 Prozent.

Weniger Nachfrage von DAT’s und sinkende Stablecoins
Auch die Nachfrage seitens Kryptounternehmen und Stablecoins lässt nach. DAT’s verzeichneten sinkende sogenannte Prämien – also den Aufschlag, zu dem ihre Aktien über den zugrunde liegenden Bitcoin-Reserven gehandelt werden – während das Volumen der Stablecoins zurückging. Das deutet Cipolaro zufolge darauf hin, dass Kapital aus dem Markt abgezogen wird.
Dennoch sieht er keinen Grund für akute Alarmstimmung. „Kein einziger DAT zeigt derzeit Anzeichen finanzieller Belastung“, erklärt Cipolaro. „Der Leverage ist begrenzt, die Zinslast ist beherrschbar, und viele Strukturen bieten die Möglichkeit, Dividenden- oder Zinszahlungen vorübergehend auszusetzen.“
Langfristiges Narrativ bleibt intakt
Trotz des jüngsten Rückschlags sieht NYDIG das große Bild für Bitcoin unverändert. Die Währung zieht immer mehr institutionelle Aufmerksamkeit auf sich, auch Regierungen zeigen vorsichtiges Interesse, und die Rolle von Bitcoin als neutrale, programmierbare monetäre Asset bleibt Cipolaro zufolge überzeugend.
„Die Ereignisse der vergangenen Wochen ändern nichts an diesem langfristigen Narrativ“, sagt er. „Doch die zyklische Dynamik, getrieben von Zuflüssen, Leverage und reflexivem Verhalten, dominiert derzeit eindeutig das Geschehen.“
Cipolaro warnt, dass der Weg nach vorn – wie in früheren Zyklen – holprig sein wird. „Anleger sollten auf das Beste hoffen, sich aber auf das Schlimmste vorbereiten. Die Geschichte zeigt, dass diese Phasen von unerwarteten Bewegungen und starken emotionalen Schwankungen geprägt sind.“
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