Der bekannte Kryptoanalyst Willy Woo sieht trotz des trüben Kursbildes von Bitcoin unter der Oberfläche Anzeichen von Stärke. Seiner Ansicht nach bleibt die zugrunde liegende Marktstruktur „gesund und robust“, auch wenn das kurzfristige Chartbild negativ wirkt.
„Das Bitcoin-Chartbild wirkt bearish, aber im Hintergrund geht das Risiko zurück. Die Anlegerliquidität ist stark“, schrieb Woo. „Die zugrunde liegende Bullenstruktur, in den vergangenen Monaten zwar fragil, bleibt intakt.“
Unter der Haube weiterhin Stärke
Der Analyst betont, dass der jüngste Rücksetzer von Bitcoin nicht zwingend auf strukturelle Schwäche hindeutet. Nach Woo befindet sich der Markt in einer späten Phase des Zyklus, in der lokale Stärke häufig zu neuen Hochs führt, bevor eine Korrektur einsetzt.
„Es ist lokal stark“, sagte Woo auf Fragen zu seinen früheren Aussagen, wonach die Liquidität in den vergangenen Monaten zurückgegangen sei. „Diese Bemerkung bezog sich auf den gesamten Zyklus. Seit Anfang dieses Jahres ist die Liquidität etwas zurückgegangen, doch lokale Stärke führt oft zu neuen Hochs, wenn der Markt in der Spätphase Momentum aufnimmt.“
Anders gesagt: Auch wenn das Handelsvolumen und der Zufluss frischen Kapitals nachgelassen haben, sieht Woo Anzeichen dafür, dass die bestehende Anlegerbasis stabil bleibt.
Kapitalflüsse ziehen sich vorübergehend zurück
Woos Analyse kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Bitcoin-Kurs unter Druck steht. Die Digitalwährung verlor in der vergangenen Woche gut 6 Prozent und sank im vergangenen Monat sogar um 11 Prozent.
Auch die US-Bitcoin-ETFs verzeichneten Abflüsse: Am Donnerstag zogen Anleger 488 Millionen US-Dollar ab, gefolgt von weiteren 191 Millionen US-Dollar am Freitag. Das deutet darauf hin, dass Kapital vorübergehend aus regulierten Bitcoin-Produkten abfließt.
Gleichzeitig zeigt sich, dass viele private und institutionelle Anleger ihre bestehenden Positionen halten statt zu verkaufen, was die relative Stabilität des Marktes erklärt.
Markt bleibt gespalten
Andere Analysten bleiben vorsichtiger. Der bekannte Trader Ali Martinez verwies diese Woche auf ein sogenanntes „Broadening-Top“-Muster im Bitcoin-Chart – eine Formation, die seiner Ansicht nach auf eine kurze Erholung hindeuten kann, gefolgt von einer scharfen Korrektur.
„Ein solches Muster entsteht oft am Ende eines Zyklus“, schrieb Martinez. „Wir könnten noch einen letzten Anstieg in Richtung eines neuen Hochs sehen, bevor eine brutale Kehrtwende folgt.“
Diese Sicht steht im Kontrast zu Woos etwas positiverer Einschätzung, in der er vor allem starke Liquidität und eine widerstandsfähige Basisstruktur als Fundament für eine mögliche Erholung sieht.
Bitcoin um 108.000 US-Dollar
Zum Zeitpunkt des Schreibens notiert der Bitcoin-Kurs bei rund 107.965 US-Dollar, ein Minus von 2,4 Prozent innerhalb von 24 Stunden. Trotz der schwachen Preisentwicklung bleibt Woo optimistisch, dass die „unterliegende Gesundheit“ des Netzwerks die Kryptowährung stützt.
„Was wir jetzt sehen, ist keine Panik, sondern eine Repositionierung“, sagte er in einer früheren Analyse. „Der Markt bereinigt sich, das Risiko nimmt ab – und das legt oft den Grundstein für die nächste Wachstumsphase.“
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