Die Stimmung am Kryptomarkt ist seit geraumer Zeit düster. Der sogenannte Fear & Greed-Index zeigt seit Wochen „extreme Angst“ an und Bitcoin (BTC) verharrt um die gleiche Kursmarke von etwa 68.000 Dollar. Doch von einem großen Vermögensverwalter kommt ein überraschend anderer Ton.

Bitwise sieht Bitcoin als unterbewertet

Bitcoin notiert derzeit 46,5 Prozent unter seinem Allzeithoch im Oktober, das bei über 126.000 Dollar lag. Doch Bitwise sieht gerade in dieser Situation Chancen. Laut André Dragosch, Forschungsleiter des Unternehmens, ist BTC auf fundamentaler Basis „signifikant unterbewertet“. Dies äußerte er im Gespräch mit CoinDesk.

Dragosch verweist auf mehrere Faktoren: Die weltweite Geldmenge wächst jährlich um mehr als 10 Prozent, während BTC kaum reagiert. Auch im Vergleich zu Gold, makroökonomischen Wachstumserwartungen und den Zuflüssen in Anlageprodukte wie die amerikanischen Bitcoin Exchange-Traded Funds (ETF’s) hinkt BTC hinterher.

„Bitcoin weist immer noch einen erheblichen ‚Abschlag‘ im Vergleich zur globalen Liquidität und den makroökonomischen Erwartungen auf“, erklärt Dragosch gegenüber CoinDesk. „Sobald die Risikobereitschaft und Kapitalströme zurückkehren, erwarten wir einen kräftigen Aufschwung.“

Keine schnelle Erholung erwartet

Obwohl sich der BTC-Kurs seit Anfang Februar, als er unter die 60.000-Dollar-Marke fiel, etwas erholt hat, warnt Bitwise vor zu viel kurzfristigem Optimismus. Laut Dragosch ist eine sogenannte V-förmige Erholung, also eine schnelle Rückkehr zu höheren Niveaus, unwahrscheinlich.

„Abgesehen von der Coronakrise sehen wir, dass Bitcoin nach starken Kapitulationen in der Regel nicht sofort stark zurückspringt“, sagt er. Bitwise erwartet daher eher eine seitwärts gerichtete oder leicht fallende Bewegung in den kommenden Wochen.

Unterdessen herrscht große Angst am Markt. Der Fear & Greed-Index steht aktuell auf einem sehr niedrigen Wert von 7. Dieser Index misst die Stimmung unter Investoren, wobei 0 extreme Angst und 100 extreme Gier bedeutet. Ein niedriger Wert zeigt, dass viele Investoren verängstigt sind und sich aus risikoreichen Anlagen wie Krypto zurückziehen.

Risiken und Katalysatoren

Bitwise benennt auch Risiken. So weist Dragosch darauf hin, dass BTC-Inhaber kürzlich Rekordmengen an Bitcoin zur Kryptobörse Binance transferiert haben. Solche Transaktionen deuten oft auf einen bevorstehenden Verkauf hin, was kurzfristig zusätzlichen Druck auf den Kurs ausüben kann.

Gleichzeitig verweist der Unternehmensleiter auf einen möglichen positiven Katalysator. Der amerikanische Clarity Act, ein Gesetzesentwurf, der Klarheit über den rechtlichen Status von Kryptowährungen schaffen soll, wird voraussichtlich noch in diesem Jahr verabschiedet. Bereits heute konnte man lesen, dass das Weiße Haus den Druck auf die Banken erhöht.

Analyst: „Geduld ist entscheidend“

Laut dem niederländischen Analysten Jelle hat Bitcoin inzwischen Unterstützung um die Hochpunkte des vorherigen Zyklus gefunden. In einer Grafik auf X zeigt er auf ein großes Preisgebiet zwischen 55.000 und 65.000 Dollar, wo der Markt deutliche Interesse zeigt.

„Es ist an der Zeit, eine neue Konsolidierungsstruktur zu entwickeln“, schreibt Jelle. Ihm zufolge gibt es nun zwei Möglichkeiten: Entweder durchbricht der Kurs erneut die vorherigen Höchststände und fällt dann weiter, oder BTC beginnt von diesem Niveau aus ein neues Muster. „Geduld ist entscheidend, solange wir noch keine Klarheit haben.“

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