Die Sorge um Quantencomputer schwebt schon seit längerem über Bitcoin, doch laut der Investmentbank Bernstein hat der Markt einen Großteil dieses Risikos inzwischen eingepreist. In einer neuen Analyse stellt die Bank fest, dass die Bedrohung ernst, aber vorerst noch beherrschbar bleibt und keine unmittelbare existentielle Krise für Bitcoin darstellt.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Bernstein sagt nicht, dass es kein Problem gibt, sondern dass der Markt darauf bereits teilweise darauf reagiert hat.
Warum Bernstein glaubt, dass der Markt dies bereits eingepreist hat
Der Analyse zufolge ist der deutliche Rückgang von Bitcoin seit dem Höchststand im Oktober 2025 ein Hinweis darauf, dass Anleger bereits mehrere Risiken, einschließlich des Aufkommens von Quantencomputern, einkalkuliert haben.
Der Gedankengang dahinter lautet in etwa wie folgt:
- Fortschritte im Bereich der Quantencomputer verunsichern Anleger hinsichtlich der Sicherheit von Kryptografie;
- diese Bedenken belasten das Sentiment rund um Bitcoin;
- der Kursrückgang spiegelt somit nicht nur makroökonomische Schwäche wider, sondern auch technologische Ängste;
- daher ist ein Teil des Quantenrisikos laut Bernstein bereits im Preis einkalkuliert.
Bernstein fügt jedoch eine wichtige Anmerkung hinzu: Der Beschleunigung in den Bereichen KI und Quanten stehen auch technologische Fortschritte in der Zero-Knowledge-Privacy und quantenresistenter Kryptografie gegenüber, die laut der Bank ein gewisses Ausgleichspotenzial bieten.
Bernstein zufolge bleibt noch Zeit
Im Grunde geht es darum, dass Bitcoin laut Bernstein noch nicht an einem Punkt ist, an dem innerhalb von Wochen oder Monaten sofort gehandelt werden muss. Die Analysten glauben, dass der Sektor noch etwa drei bis fünf Jahre Zeit hat, um einen Weg zur Post-Quantum-Sicherheit zu erarbeiten.
Das gibt der Bitcoin-Community aus ihrer Sicht ausreichend Zeit, um sorgfältig zu entscheiden, welcher Weg der beste ist.
Institutionelle könnten Schlüsselrolle spielen
Bemerkenswert ist, dass Bernstein erwartet, dass gerade die großen institutionellen Akteure eine konstruktive Rolle bei diesem Übergang spielen werden. Dazu gehören ETF-Emittenten und Unternehmen wie Strategy, die mittlerweile enorme Beteiligungen an Bitcoin aufgebaut haben.
Das ist nachvollziehbar, denn je größer das finanzielle Engagement, desto stärker auch der Anreiz, einen Konsens über eine sichere langfristige Lösung zu finden.
Das eigentliche Problem ist sozial, nicht technisch
In der Analyse von Bernstein wird auch ein wichtiges anderes Thema angesprochen: Technisch gesehen ist das Problem wahrscheinlich schneller lösbar als sozial.
Die Argumentation ist denkbar einfach:
- einen neuen technischen Standard zu entwerfen, ist relativ einfach;
- doch anschließend müssen Millionen von Nutzern, Wallets und Coins tatsächlich migrieren;
- vor allem alte oder verlorene Wallets erschweren dies;
- und genau deshalb ist die Absicherung gegen Quantenrisiken vor allem ein soziales und Koordinationsproblem.
Das ist möglicherweise die wichtigste Erkenntnis des gesamten Berichts. Nicht der Code ist der größte Engpass, sondern die Frage, wie man ein globales Netzwerk dazu bringt, mitzugehen.
BIP-360 spielt dabei eine Rolle
Bernstein verweist auch auf BIP-360, einen Antrag, der darauf abzielt, einen Teil der Anfälligkeit für Quantenrisiken zu verringern. Dies könnte über eine Soft Fork für bestimmte gefährdete Adressen umgesetzt werden.
Aber auch hier gilt: Selbst wenn eine solche Lösung technisch möglich ist, bleibt ein Teil des alten und inaktiven Bitcoin-Bestands verwundbar.
Laut Bernstein ist das Quantenrisiko für Bitcoin real, jedoch nicht dringlich genug, um von einer existentiellen Notlage zu sprechen. Die Angst davor sei laut der Bank vom Markt bereits teilweise eingepreist, und Entwickler hätten noch Zeit, einen Weg zu besserem Schutz zu erarbeiten.
Die größte Herausforderung liegt letztendlich nicht darin, die Lösung zu entwickeln, sondern die gesamte Bitcoin-Welt für den Umstieg auf diese Technologie zu gewinnen.
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