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Während Anleger die enormen KI-Investitionen von Chipkonzernen und Cloudanbietern zunehmend infrage stellen, zeigt sich bei Apple ein gegenteiliges Bild. Die Aktie des iPhone-Konzerns ist seit dem Tief vom 25. Juni um rund 15 Prozent gestiegen. Damit gewann Apple fast 600 Milliarden Dollar an Börsenwert zurück, die Aktie erreichte erneut Rekordstände.
Die Wende ist bemerkenswert. Monatelang stand Apple in der Kritik, weil der Konzern im KI-Wettlauf hinterherzuhinken schien. Inzwischen werten Anleger diese Zurückhaltung zunehmend als Stärke.

Während die KI-Rally bei Chipwerten erste Risse zeigt, fließt Kapital verstärkt in Apple. Seit Ende Juni verlor der Philadelphia Semiconductor Index rund sieben Prozent, der Nasdaq 100 legte kaum anderthalb Prozent zu. Apple entwickelte sich dagegen in die andere Richtung und koppelte sich vom übrigen Technologiesektor ab.
„Am Markt läuft ein Richtungsstreit, und Apple profitiert davon, nicht im Zentrum der aktuellen Turbulenzen rund um KI-Titel zu stehen“, sagt Mark Bronzo von Rye Strategic Partners.
Nach seiner Einschätzung wachsen die Zweifel an den Milliardenbeträgen, die Microsoft, Alphabet und Amazon in Rechenzentren und KI-Infrastruktur stecken. Anleger fragen sich immer häufiger, wann diese gewaltigen Ausgaben tatsächlich Gewinne abwerfen. Bei Apple ist diese Unsicherheit deutlich geringer. Genau deshalb sehen immer mehr Investoren die Aktie als sicheren Hafen im Technologiesektor.
Diese Verschiebung zeigt sich auch innerhalb der Magnificent Seven. Apple liegt in diesem Jahr rund 16 Prozent im Plus und ist damit der stärkste Wert der Gruppe. Alphabet und Amazon notieren inzwischen mehr als zehn Prozent unter ihren Höchstständen vom Mai, während Microsoft auf das schwächste Börsenjahr seit 2022 zusteuert.
Das bedeutet nicht, dass Anleger KI-Aktien in großem Stil den Rücken kehren. Der Philadelphia-Chipindex liegt in diesem Jahr noch immer mehr als 80 Prozent im Plus und steuert auf sein bestes Jahr seit 1999 zu. Der Aufstieg von Apple dürfte daher vor allem auf Gewinnmitnahmen bei den größten KI-Gewinnern und eine Umschichtung in Unternehmen mit stabileren Perspektiven zurückgehen.
Auch Apple entkommt den steigenden Kosten für Speicherchips nicht. Ende Juni erhöhte der Konzern deshalb die Preise für Macs, iPads und andere Geräte. Anleger reagierten damals verunsichert, die Aktie verzeichnete ihren schwächsten Handelstag seit April 2025. Das iPhone blieb bislang verschont, weitere Preiserhöhungen schließt Apple jedoch nicht aus.
Gleichzeitig sucht der Konzern nach alternativen Lieferanten. Mehreren Medienberichten zufolge verhandelt Apple mit zwei chinesischen Herstellern von Speicherchips, die auf der schwarzen Liste des Pentagons stehen. Das macht die Lage politisch heikel, zumal Apple zuvor zugesagt hatte, US-Chips im Wert von 30 Milliarden Dollar bei Broadcom abzunehmen.
Dennoch scheinen sich Anleger um die Profitabilität kaum Sorgen zu machen. Analysten verweisen darauf, dass Apple-Kunden Preiserhöhungen in der Regel ohne größere Gegenwehr akzeptieren. JPMorgan-Analyst Samik Chatterjee schrieb Anfang Juli, frühere Preissteigerungen hätten die Verkaufszahlen kaum belastet.
Hinzu kommt ein möglicher weiterer Wachstumstreiber. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Nikkei stellt Apple im September sein erstes faltbares iPhone vor. Die Produktion soll noch in diesem Jahr auf rund zehn Millionen Geräte hochgefahren werden. Diese Aussicht nährt die Erwartung, dass Apple höhere Kosten problemlos auffangen kann.
„Apple ist von der aktuellen KI-Schwäche kaum betroffen. Der eigentliche Grund, die Aktie zu halten, ist aber ein möglicher Verkaufsschlager“, sagt Vermögensverwalter Louis Navellier. Aus seiner Sicht könnte das faltbare iPhone in den kommenden Jahren sowohl den Margen als auch dem Umsatzwachstum neuen Schub geben.
Der größte Unterschied zum übrigen Big-Tech-Sektor liegt nach Einschätzung von Analysten jedoch in den Fundamentaldaten: im Cashflow.
Apple erwartet in diesem Jahr einen freien Cashflow von rund 140 Milliarden Dollar, ein Plus von mehr als 40 Prozent und ein neuer Rekord. Bei Alphabet zeigt sich das Gegenteil. Wegen der Milliardeninvestitionen in KI dürfte der freie Cashflow um rund 67 Prozent auf 21 Milliarden Dollar sinken.
Der Kontrast wird damit immer größer. Während viele Techkonzerne massiv investieren und frisches Kapital aufnehmen, generiert Apple weiter hohe Mittelzuflüsse. Das macht die Aktie für Anleger attraktiv, die weniger Risiko eingehen wollen.
Dem steht allerdings eine anspruchsvolle Bewertung gegenüber. Apple wird mit etwa dem 33-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt, deutlich über dem Zehnjahresdurchschnitt von 23. Innerhalb der Magnificent Seven ist nur Tesla teurer. Auch deshalb empfehlen lediglich 61 Prozent der Analysten die Aktie zum Kauf, gegenüber rund 90 Prozent bei Microsoft, Amazon, Meta und Nvidia.
Nach Ansicht von Bronzo läuft die Entscheidung letztlich auf eine Frage hinaus: Wer glaubt, dass die KI-Ausgaben noch jahrelang weiter wachsen, setzt auf Nvidia. Wer erwartet, dass diese Investitionswelle nachlässt, sieht in Apple den naheliegenden Gewinner.
Gerade dadurch ist Apple inzwischen mehr als eine defensive Technologieaktie. Der Kurs gilt zunehmend als Gradmesser dafür, wie viel Vertrauen Anleger noch in das milliardenschwere Rennen um künstliche Intelligenz haben.
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