Anthropic nimmt erneut Gespräche mit dem US-Verteidigungsministerium auf, obwohl die Beziehung in den vergangenen Tagen völlig festgefahren schien. Das KI-Unternehmen hinter Claude möchte verhindern, dass seine Technologie für inländische Massenüberwachung oder tödliche autonome Waffen eingesetzt wird. Dennoch versucht CEO Dario Amodei, die Verhandlungen wiederzubeleben, berichten unter anderem die Financial Times und Bloomberg.

Ethische Klausel wurde zum Knackpunkt

Der Konflikt drehte sich um die Vertragsbedingungen, die das Pentagon für den Zugang zu Claude nutzen möchte. Laut der Financial Times sorgte insbesondere eine Passage zur Analyse umfangreich gesammelter Daten für Spannungen. Anthropic sieht darin einen Weg zu Anwendungen, die das Unternehmen blockieren will.

Als Anthropic sich nicht flexibel zeigte, drohte Verteidigungsminister Pete Hegseth, das Unternehmen als „Risiko für die Lieferkette“ zu kennzeichnen. Dieses Label könnte erhebliche Folgen haben, da es Lieferanten und Partner abschrecken könnte, weiter mit Anthropic zusammenzuarbeiten. The Verge berichtet, dass dieser Schritt nach Versuchen des Pentagons folgte, Anthropic mehr Spielraum für militärische Anwendungen zu gewähren.

Warum Anthropic jetzt doch zurückkehrt

Dass Anthropic nun wieder Gespräche führt, wirkt wie Schadensbegrenzung. Das Unternehmen positioniert sich gerne als prinzipientreu, kann es sich aber kaum leisten, bei US-Regierungsaufträgen dauerhaft ausgeschlossen zu werden. In den Berichten ist von einem Deal von zweihundert Millionen Dollar für den Einsatz von Anthropic-Technologie im Bereich der nationalen Sicherheit die Rede.

Laut der Financial Times ist Amodei im Gespräch mit dem stellvertretenden Minister Emil Michael, um die Verhandlungen zu retten. Gleichzeitig herrscht im Hintergrund deutliche Verärgerung. Der Artikel beschreibt, wie sich der Ton zwischen beiden Lagern zuletzt weiter verhärtet hat.

Für den breiteren Tech- und KI-Markt ist dies ein Zeichen dafür, dass die Regeln für „zulässige“ KI-Anwendungen noch lange nicht klar definiert sind. Das betrifft nicht nur Verteidigungsaufträge, sondern auch die Frage, wie streng Unternehmen ihre eigenen Sicherheitsgrenzen ziehen können, ohne Kunden oder staatliche Partner zu verlieren.

OpenAI nutzte die Gelegenheit und erntete sofort Kritik

Als Anthropic vorübergehend beiseite geschoben wurde, konnte OpenAI schnell eine Gelegenheit nutzen und sich dem Pentagon nähern. Doch diese Eile schadete dem Unternehmen. Sam Altman räumte kurz darauf ein, dass OpenAI den Deal nicht überstürzen hätte sollen und dass er „opportunistisch und nachlässig“ wirken könnte. OpenAI kündigte an, die Vereinbarungen anzupassen, mit zusätzlichen Einschränkungen zur Überwachung und dem Einsatz von KI ohne menschliche Kontrolle.

Das macht die Situation für Anthropic besonders spannend. Sollte OpenAI eine Vertragssprache finden, die das Pentagon akzeptiert, könnte ein Präzedenzfall entstehen, an dem andere KI-Unternehmen schwerlich vorbeikommen. Gelingt es Anthropic jedoch, mit eigenen Bedingungen zurückzukehren, könnte dies strengere Einschränkungen für die militärische Nutzung von KI zum Standard machen.

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