XRP rückt in den vergangenen Wochen wieder verstärkt in den Fokus – vor allem durch das rasante Wachstum neuer ETF-Produkte. Mehrere Anbieter verzeichneten innerhalb kurzer Zeit Zuflüsse in dreistelliger Millionenhöhe.

Gleichzeitig bleibt der XRP Kurs überraschend stabil. Marktbeobachter fragen sich, wie lange das so bleiben kann, wenn große Adressen immer mehr der Kryptowährung aufkaufen.

Große Fonds erhöhen den Druck auf das verfügbare XRP-Angebot

Einer der Analysten, die vor diesem Hintergrund warnen, ist Chad Steingraber. Er hat ein Modell vorgestellt, das berechnet, wie viel XRP ETF-Produkte pro Jahr potenziell aufsaugen könnten. Seiner Ansicht nach sollte die Debatte deshalb nicht lauten, ob der Kurs steigt, sondern wie hoch er steigen muss, um die institutionelle Kaufkraft zu bremsen. Er deutet damit an, dass ein höherer Kurs der einzige Weg sein könnte, zu verhindern, dass ETF-Anbieter das verfügbare Angebot in rasantem Tempo vom Markt nehmen.

Ein ETF ist ein Anlageprodukt, das den Kurs eines zugrunde liegenden Werts nachbildet – in diesem Fall XRP. Dadurch können Anleger und große Fonds einfach über die Börse einsteigen. Das führt oft zu schnellen und teils massiven Kapitalzuflüssen in die Kryptowährung.

Steingraber berechnet Nachfrage bei unterschiedlichen XRP-Kursen

Diese Entwicklung spiegelt sich deutlich in den aktuellen Zahlen wider. Der frisch gestartete XRPC ETF von Canary Capital sammelte bereits am ersten Handelstag 245 Millionen US-Dollar ein. Inzwischen verwaltet er XRP im Wert von 326,5 Millionen Dollar. Bitwise erwarb XRP im Gegenwert von 168 Millionen Dollar. Auch Franklin und Grayscale liegen zusammen bei rund 150 Millionen Dollar – nur zwei Tage nach der Markteinführung. Steven McClurg, CEO von Canary Capital, rechnet damit, dass die verschiedenen ETF-Produkte im ersten Monat zusammen Zuflüsse von 5 bis 10 Milliarden Dollar erreichen können.

Seine Analyse, die von jährlichen Zuflüssen in Höhe von 33,6 Milliarden Dollar ausgeht, zeigt, wie stark die Nachfrage mit steigenden Kursen zurückgeht. Bei 11,25 Dollar würden die ETF-Anbieter laut Steingraber noch knapp 3 Milliarden XRP pro Jahr absorbieren. Bei 22,5 Dollar wären es rund 1,49 Milliarden XRP. Steigt der Kurs auf 45 Dollar, läge die Nachfrage bei etwa 746 Millionen Token. Bei 90 Dollar wären es noch gut 373 Millionen. In seinem extremsten Szenario, bei einem Kurs von 225 Dollar, sinkt die jährliche Nachfrage auf weniger als 150 Millionen XRP.

Warum die ETF-Nachfrage bislang kaum sichtbar ist

Dass diese Entwicklung im Marktbild noch nicht klar erkennbar ist, liegt nach Einschätzung von Beteiligten vor allem daran, dass ein Großteil der Käufe abseits der öffentlichen Börsen stattfindet. Abgewickelt wird über sogenannte OTC Desks – Handelsplätze, an denen große Investoren direkt kaufen, ohne dass diese Transaktionen in den öffentlichen Orderbüchern auftauchen. Dadurch bleibt die frühe Nachfrage vorerst im Verborgenen. Zudem lastet der jüngste Rückgang beim Bitcoin Kurs nach Ansicht von Marktbeobachtern auf der Stimmung.

Zum Zeitpunkt des Schreibens notiert der XRP Kurs bei 2,16 Dollar, ein Rückgang von 1,77 Prozent in den vergangenen 24 Stunden. Offen ist, wie lange XRP auf diesem vergleichsweise niedrigen Niveau bleiben kann, während die ETF-Produkte so schnell wachsen. Steingraber sieht den Markt auf ein mögliches Wendepunkt-Szenario zusteuern. Er hält es für wahrscheinlich, dass ein steigender Kurs schlicht die logische Folge der zunehmenden Nachfrage sein wird.

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