Über 800 Schiffe stecken im Persischen Golf fest, und Reedereien weltweit versuchen nun herauszufinden, was das Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und Iran für ihre Flotte bedeutet. Die entscheidende Frage ist: Wann und wie können diese Schiffe sicher die Straße von Hormus passieren?

Über 800 Schiffe blockiert

Das Ausmaß ist gewaltig. Über 800 Schiffe stecken im Persischen Golf fest und können sich nicht bewegen. Laut Daten von Kpler handelt es sich um 426 Rohöl- und Tanker für Treibstoffe, 34 LPG-Tanker und 19 LNG-Schiffe. Der Rest transportiert Trockengüter wie Agrarprodukte, Metalle und Container.

Auf der anderen Seite der Meerenge warten weitere Hunderte von Schiffen darauf, einzufahren. Dadurch beläuft sich die Gesamtzahl auf beiden Seiten auf über 1.000 Schiffe.

An Bord befinden sich laut der International Maritime Organization etwa 20.000 Seeleute. Sie kämpfen mit schwindenden Vorräten, Müdigkeit und zunehmendem psychischen Druck, warnte die UN-Organisation Ende März.

Wichtige Details bleiben unklar

Die Bedingungen des Waffenstillstands sind noch immer unklar. Iran spricht von zwei Wochen sicherer Durchfahrt, abgestimmt mit den eigenen Streitkräften und innerhalb technischer Beschränkungen. Trump hingegen von einer vollständigen, direkten und sicheren Wiederöffnung. Diese Darstellungen weichen deutlich voneinander ab.

Auch über praktische Fragen gibt es noch keine Klarheit. Unklar ist zum Beispiel, ob es Vereinbarungen über Zölle gibt, wann der Waffenstillstand genau beginnt und welche Schiffe zuerst passieren dürfen.

Trump erklärte in sozialen Medien, dass die USA bei der Lösung der Staus helfen und weiterhin präsent sein werden, um die Durchfahrt zu regeln.

Reedereien bleiben vorsichtig

Reedereien gehen vorerst kein Risiko ein. Der japanische Reederverband erklärte, dass man zunächst die Details des Abkommens analysieren werde, bevor man die Mitglieder informiert. Auch andere Parteien betonen, dass mehr Klarheit nötig ist, bevor Schiffe tatsächlich in Bewegung kommen.

Wie Jennifer Parker von der University of Western Australia anmerkt, kann man globale Schifffahrtsströme nicht innerhalb von 24 Stunden wieder aufnehmen. Tankerbesitzer, Versicherer und Besatzungen müssen Vertrauen darin haben, dass das Risiko wirklich gesenkt wurde und nicht nur vorübergehend pausiert ist.

Nach Angaben von Lewis Hart vom Versicherungsmakler Willis Towers Watson wird sich der Verkehr daher schrittweise wieder normalisieren und nicht auf einen Schlag, selbst in einem Zeitraum von zwei Wochen.

Erste Schiffe setzen sich vorsichtig in Bewegung

Am Mittwochmorgen schienen die ersten Schiffe seit der Ankündigung wieder in Richtung der Straße von Hormus zu fahren. Es handelt sich um die Tour 2, einen von den USA sanktionierten iranischen Suezmax-Tanker, und die NJ Earth, ein griechisches Massengutschiff. Beide fahren in der Nähe der iranischen Inseln Larak und Qeshm.

Besonders die Durchfahrt von LNG-Schiffen bleibt ein wichtiges Thema. Seit Kriegsbeginn hat kein beladener Gastanker die Meerenge passiert.

Das ist entscheidend, da normalerweise etwa 20 Prozent des weltweiten LNG-Verkehrs durch die Straße von Hormus fließen.

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