Der Kryptomarkt erlitt diese Woche einen schweren Schlag. Innerhalb kurzer Zeit verschwanden hunderte Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung, und auch Bitcoin (BTC) gab deutlich nach. Der Kurs sank unter ein wichtiges Niveau, während Anleger massenhaft ihre Positionen schließen mussten. Analysten zufolge könnte dies erst der Anfang einer breiteren Bewegung auf den Finanzmärkten sein.
1,8 Milliarden Dollar an Liquidationen in 48 Stunden
Bitcoin fiel gestern auf etwa 87.800 Dollar und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Ende Dezember. Nach Daten von Coinglass beliefen sich die Liquidationen innerhalb von 48 Stunden auf mehr als 1,8 Milliarden Dollar. Der Großteil davon waren Long-Positionen, also Anleger, die auf einen weiteren Kursanstieg gesetzt hatten.
Wenn dies mit gehebelten Positionen geschieht und der Kurs zu stark fällt, greift die Handelsplattform automatisch ein. Diese Long-Positionen werden dann zwangsweise geschlossen, indem Bitcoin verkauft wird. Das zusätzliche Verkaufsvolumen drückt den Kurs weiter nach unten, wodurch noch mehr Long-Positionen betroffen und ebenfalls liquidiert werden. So entsteht ein Schneeballeffekt.
Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels steht der Bitcoin-Kurs liegt bei 89.000 Dollar gleichbedeutend mit einem Verlust von 6,6 % auf Wochenbasis und damit auch aller in diesem Jahr aufgebauten Gewinne.
Auch technisch betrachtet hat sich das Bild eingetrübt. Der Kurs fiel unter den 50-Tage-Exponential Moving Average (EMA), ein Niveau, das zuvor noch Unterstützung während des Anstiegs bot.
Kryptomarkt verliert 225 Milliarden Dollar an Wert
Nicht nur Bitcoin hatte zu kämpfen. Der gesamte Marktwert von Krypto sank um etwa 225 Milliarden Dollar und liegt nun knapp über 3 Billionen Dollar. Es handelt sich um den größten Rückgang seit November, was zeigt, wie schnell sich das Sentiment ändern kann.
Viele Augen sind auf die USA gerichtet, wo neue Zollandrohungen von Präsident Donald Trump erneut zu einem sogenannten ‚Sell America Trade‘ führen. Laut Reuters war dieses Muster bereits nach der Zollankündigung im vergangenen April erkennbar. Einige Marktexperten verweisen jedoch auf einen anderen, weniger offensichtlichen Faktor.
US-Finanzminister verweist auf Japan
Dan Tapiero, Gründer und CEO von 50T Funds, sprach von einem “Wipeout”, der durch die “vollständige Destabilisierung auf den japanischen Anleihemärkten, die alle Märkte infizieren”, verursacht wird. Er erwartet, dass Gold davon letztlich profitiert, gefolgt von Bitcoin. Gold erreichte gestern ein neues Rekordhoch von 4.835 Dollar pro Unze.
Auch der US-Finanzminister Scott Bessent verweist auf Japan als wesentlichen Grund für die Unruhe. Ihm zufolge reagieren die Märkte vor allem auf extreme Bewegungen bei japanischen Staatsanleihen, wo die Zinsen in kurzer Zeit stark gestiegen sind. “Das hat nichts mit Grönland zu tun”, sagte er dazu.
In Japan stiegen die Zinsen auf Staatsanleihen rasant an. Besonders die 30-jährige Anleihe fiel auf, mit dem größten Anstieg seit 2003. Diese Bewegung wird durch Sorgen über höhere Staatsausgaben befeuert und setzt weltweit die Finanzmärkte unter Druck.
Jeff Ko, Chefanalyst bei CoinEx Research, meint, dass diese Situation Anleger zwingen könnte, sogenannte Carry Trades aufzulösen. Das bedeutet, dass billig geliehenes Geld aus dem Markt verschwindet, was zusätzlichen Druck auf risikoreiche Anlagen wie Krypto ausübt.
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