In der Kryptobranche sind bereits unzählige Skeptiker eingeknickt – und inzwischen geschieht dasselbe an der Spitze des traditionellen Finanzsektors. Wo große Player digitale Vermögenswerte jahrelang mit hochgezogenen Augenbrauen betrachteten, steigen sie nun einer nach dem anderen doch ein.

Vanguard ist das jüngste Beispiel dafür. Der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt gibt dem Druck des Marktes nun endlich nach.

Neuer CEO, neuer Kurs

Vanguard, das mehr als 11 Billionen Dollar verwaltet, gilt in der Finanzwelt als konservativer Akteur. Nach der Einführung der Spot Bitcoin Exchange-Traded Funds (ETFs) – börsengehandelter Fonds, die Bitcoins halten und so den Bitcoin-Kurs (BTC) nachbilden – weigerte sich das Unternehmen zunächst, seinen Kunden den Handel damit zu ermöglichen.

Nach Ansicht des damaligen CEO Tim Buckley „gehört ein Bitcoin ETF nicht in ein Pensionsportfolio“ und die Anlageklasse sei „zu spekulativ“. „Wir werden unsere Haltung nur ändern, wenn sich die Anlageklasse selbst ändert“, betonte er damals unmissverständlich.

Inzwischen sind fast zwei Jahre vergangen, und ab Dienstag können die 50 Millionen Kunden von Vanguard mit Krypto-ETFs handeln, die den US-Vorschriften entsprechen. Es geht um Fonds auf Basis von unter anderem Bitcoin, Ethereum (ETH), Ripple (XRP) und Solana (SOL). Das teilte der ETF-Experte Eric Balchunas von Bloomberg gestern mit.

Die überraschende Kehrtwende erfolgt gut ein Jahr nach der Ernennung von Salim Ramji zum neuen CEO. Ramji, der zuvor bei BlackRock für die ETF-Sparte verantwortlich war, gilt als Befürworter der Blockchain-Technologie. Unter seiner Führung schlägt Vanguard nun einen neuen Kurs ein.

Laut Andrew Kadjeski, Leiter Brokerage bei Vanguard, haben sich die Krypto-ETFs „in Phasen hoher Volatilität bewährt“ und „funktionieren wie vorgesehen, bei Wahrung der Liquidität“. Er betont, dass die „administrativen Prozesse gereift sind“ und dass sich „die Präferenzen der Anleger weiterentwickeln“.

Wenn das Geld spricht, hören die Großen zu

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Gigant wie Vanguard seinen Kurs ändert. Und der Grund ist im Grunde ganz einfach: Die Kunden verlangen es. Man kann persönlich noch so skeptisch gegenüber Krypto sein – wenn die Nachfrage stetig steigt, kann ein Finanzdienstleister nicht tatenlos zusehen. Der Markt zeigt schließlich glasklar, wohin das Geld fließt.

Ein Blick auf BlackRocks Bitcoin ETF genügt. Dieser Fonds hat inzwischen mehr als 62 Milliarden Dollar eingesammelt und gilt als erfolgreichste ETF-Einführung der Geschichte. An so einer Zahl kommt man als Vermögensverwalter nicht vorbei – egal, wie konservativ man ist.

Vanguard betont allerdings, dass das Unternehmen keine eigenen Krypto-Produkte entwickeln wird. Zudem zieht es eine klare Grenze: Memecoin-ETFs werden auf der eigenen Plattform keinen Platz finden. Zufällig wurde in der vergangenen Woche der erste US-amerikanische Dogecoin-Fonds aufgelegt.

Bemerkenswert ist, dass Vanguard nicht der einzige Finanzriese ist, der eine Kehrtwende vollzieht. Auch JPMorgan bewegt sich immer weiter in Richtung Krypto – obwohl CEO Jamie Dimon die Coins nach wie vor als heiße Luft abtut.

Doch der Markt entscheidet, nicht Dimon. Und so bringt JPMorgan zunehmend mehr Krypto-Produkte an den Start. Schon bald können Kunden direkt über ihr Online-Banking mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen handeln.

Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Selbst die traditionellsten Institute erkennen zunehmend, dass Krypto eine dauerhafte Kraft ist, an der sie schlicht nicht mehr vorbeikommen.

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