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Die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank noch in diesem Monat die Zinsen anhebt, steigt deutlich. An den Zinsmärkten wird die Chance auf eine Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung am 29. Juli inzwischen auf rund 50 Prozent taxiert. Anfang des Monats lag diese Erwartung noch unter 10 Prozent.
Das ist bemerkenswert, weil Ökonomen für Dienstag eigentlich mit dem ersten Rückgang sowohl der Gesamt- als auch der Kerninflation seit Januar rechnen. Dennoch stellt sich der Anleihemarkt bereits auf höhere Zinsen ein. Anleger fürchten, dass der jüngste Anstieg des Ölpreises die Inflation in den kommenden Monaten erneut antreiben könnte.
Am Dienstag richten sich die Blicke der Anleger auf zwei zentrale Termine: die US-Inflationsdaten für Juni und den halbjährlichen Auftritt von Fed-Chef Kevin Warsh im Kongress.
Laut einer Bloomberg-Umfrage dürfte die Verbraucherpreisinflation auf Jahressicht von 4,2 auf 3,8 Prozent sinken. Die Kerninflation, bei der die schwankungsanfälligen Preise für Lebensmittel und Energie ausgeklammert werden, dürfte von 2,9 auf 2,8 Prozent zurückgehen.
Diese Zahlen spiegeln jedoch noch nicht den jüngsten Ölpreisanstieg nach den neuen Spannungen rund um die Straße von Hormus wider. Genau deshalb blicken Anleger nach Einschätzung von Analysten bereits über die Juni-Daten hinaus, während die Erwartungen an eine Zinserhöhung zunehmen.
Zusätzlich wurde der Markt durch Aussagen von Fed-Gouverneur Christopher Waller aufgeschreckt. Er galt bis vor Kurzem als eines der lockerungsgeneigtesten Mitglieder der Notenbank, sagte nun aber, eine Zinserhöhung müsse „in absehbarer Zeit“ erwogen werden, falls die Inflation erneut höher ausfalle als erwartet.
Auch der steigende Ölpreis schürt die Sorgen. Wegen der Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran hat sich Brent-Öl in den vergangenen Tagen deutlich verteuert. Ein über längere Zeit höherer Ölpreis könnte die Inflation erneut anfachen und die Fed dazu zwingen, die Zinsen länger hoch zu halten oder sogar weiter anzuheben.
Diese Stimmung zeigt sich auch am Anleihemarkt. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen, die stark auf Erwartungen zur Geldpolitik reagiert, ist auf über 4,25 Prozent gestiegen.
Nach Einschätzung von Ed Al-Hussainy, Portfoliomanager bei Columbia Threadneedle, ist eine Zinserhöhung im Juli inzwischen wahrscheinlicher als ein unveränderter Leitzins.
Die Terminmärkte rechnen mittlerweile vollständig mit einer Zinserhöhung vor Jahresende. Zudem wird auch eine zweite Zinserhöhung um die Jahresmitte 2027 eingepreist.
Al-Hussainy geht sogar noch einen Schritt weiter. Er erwartet, dass die Fed letztlich alle drei Zinssenkungen vom Ende des vergangenen Jahres wieder zurücknehmen muss, falls die Inflation hartnäckig hoch bleibt.
Anleger werden daher nicht nur auf die Inflationsdaten achten, sondern vor allem auf den Ton von Kevin Warsh. Sollte der Fed-Chef die Tür für eine Zinserhöhung noch in diesem Monat offenhalten, könnte das erneut Bewegung an den Finanzmärkten auslösen, darunter am Aktienmarkt und beim Bitcoin-Kurs.
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