Seit Ausbruch des Krieges mit Iran hat die Türkei fast 20 Milliarden Dollar an Gold verkauft oder verliehen. Damit wurde das Land in kurzer Zeit zu einem der Hauptgründe für den scharfen Rückgang der Goldpreise im März, was den größten monatlichen Rückgang für Gold seit 2008 darstellte.

Die Verkaufswelle zeigt, wie schnell selbst ein klassischer sicherer Hafen unter Druck geraten kann, wenn Zentralbanken plötzlich Liquidität benötigen.

Warum die Türkei so viel Gold verkaufte

Laut der Financial Times verkaufte die türkische Zentralbank zwischen dem 27. Februar und dem 27. März etwa 52 Tonnen Gold. Zudem arrangierte die Bank etwa 79 Tonnen in Goldswaps. Bei solchen Swaps wird Gold faktisch verliehen, wodurch zusätzliches Angebot auf den Markt kommt und der Preis weiter unter Druck geraten kann.

Türkei verkaufte Gold während des Iran-Kriegs. Quelle: Financial Times

Zusammen repräsentieren diese Transaktionen fast 20 Milliarden Dollar zum aktuellen Goldpreis.

Der Grund für diesen Schritt ist klar: Die Türkei versuchte, die Lira zu stützen. Der Krieg im Nahen Osten führte zu zusätzlichem Druck auf Energiepreise, Währungen und Finanzmärkte. Für ein Land, das bereits länger mit hoher Inflation und einer anfälligen Währung kämpft, wurde die Notwendigkeit, schnell Dollars freizusetzen, noch größer.

Goldpreis erlitt einen schweren Schlag

Die Auswirkungen auf den Goldmarkt waren erheblich. Der März endete für Gold als der schlechteste Monat seit 18 Jahren mit einem Rückgang von etwa 11,5 Prozent.

Das ist bemerkenswert, denn normalerweise gilt Gold als sicherer Hafen in Zeiten von Krieg und Unsicherheit. Doch diesmal war es anders. Statt einer erhöhten Nachfrage sah sich Gold mit einem erhöhten Angebot konfrontiert.

Die Logik dahinter ist einfach:

  • Länder geraten durch Krieg, steigende Energiepreise und Währungsstress unter Druck;
  • Zentralbanken benötigen Dollars, um ihre Währung zu verteidigen;
  • Gold wird verkauft oder verliehen, um diese Liquidität freizusetzen;
  • dadurch sinkt der Goldpreis, trotz geopolitischer Unruhen.

Türkei ist nicht allein

Die Türkei war laut dem Bericht der größte Verkäufer, aber nicht der einzige. Auch Russland verkaufte in den ersten beiden Monaten des Jahres etwa 15 Tonnen Gold, und in Polen wurde sogar angedeutet, Gold zu verkaufen, um Verteidigungsausgaben zu finanzieren.

Das zeigt, dass Zentralbanken derzeit nicht mehr automatisch als Käufer auftreten. Jahrelang bildeten sie eine wichtige Stütze für den Goldpreis, doch nun sehen wir ein gemischteres Bild.

Allerdings verkauft nicht jeder. China kaufte im März sogar zusätzliches Gold, möglicherweise um von den niedrigeren Preisen zu profitieren.

Breiteres Signal für den Markt

Die Goldverkäufe der Türkei zeigen vor allem, dass Zentralbanken derzeit in beide Richtungen am Markt agieren können. Die eine Seite verkauft, um akuten Druck auf die Währung oder den Haushalt zu bewältigen, während die andere Seite niedrigere Preise nutzt, um Reserven auszubauen.

Für Investoren ist das eine wichtige Lektion. Gold bleibt langfristig eine strategische Anlage, ist jedoch kurzfristig nicht immun gegen Verkaufsdruck von Staaten, die plötzlich Dollars benötigen.

Bitcoin hingegen könnte durch den zweifelhaften Monat für Gold eine Gelegenheit sehen, sich auf der globalen Finanzbühne zu präsentieren. Die digitale Währung schaffte während des Iran-Kriegs sogar einen Kursanstieg.

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