Die jüngsten Spannungen um Grönland haben die europäische Bestrebung, weniger abhängig von ausländischen Energiequellen zu werden, weiter verstärkt. Europäische und britische Minister haben zugestimmt, in den kommenden Jahren massiv in Offshore-Windenergie zu investieren, um die eigene Energieversorgung nachhaltig zu stärken.

Große Pläne für die Nordsee

Der unmittelbare Anlass ist der harte Ton, den der amerikanische Präsident Donald Trump in den letzten Wochen anschlug bezüglich Grönland. Obwohl er in Davos von seinen Drohungen, das dänische Gebiet mit militärischen Mitteln einzugliedern, zurücktrat, haben die Äußerungen in Europa erneut die Verletzlichkeit internationaler Abhängigkeiten deutlich gemacht.

Bei einem Gipfeltreffen in Hamburg vereinbarten neun Länder mit Interessen in der Nordsee, darunter Deutschland, das Vereinigte Königreich, Norwegen und die Niederlande, zwischen 2031 und 2040 jährlich etwa 15 Gigawatt neue Offshore-Windkapazität zu errichten. Langfristig soll bis 2050 etwa 300 Gigawatt Windkraft auf See realisiert werden. Zum Vergleich: Derzeit sind in der EU etwa 37 Gigawatt Offshore-Wind installiert.

Ein wesentlicher Bestandteil der Pläne ist die gemeinsame Entwicklung von rund 100 Gigawatt an Windparks, die mit einem neuen Stromnetz in der Nordsee verbunden werden sollen. Dieses Netz soll über Unterseekabel mehrere Länder gleichzeitig verbinden, um Strom flexibel an Märkte liefern zu können, wo Nachfrage und Preis am höchsten sind.

Keine neue Abhängigkeit

EU-Energiekommissar Dan Jørgensen betonte, dass Europa nicht das eine Problem gegen ein anderes tauschen will. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 beschloss die EU, die Abhängigkeit von russischem Gas rasch zu verringern. Seitdem sind die Importe von amerikanischem Flüssigerdgas (LNG) stark gestiegen.

„Wir sind nicht gegen den Handel mit den Vereinigten Staaten“, sagte Jørgensen, „aber wir wollen nicht die Abhängigkeit von Russland durch eine neue Abhängigkeit von einem anderen Land ersetzen.“ Die europäische Strategie sei klar: so viel wie möglich eigene Energie erzeugen und langfristig vollständig auf Erdgas verzichten.

Dieser Vorsatz gewinnt zusätzlich an Bedeutung, da die EU einem vollständigen Verbot der Einfuhr von russischem Gas ab 2027 zugestimmt hat. Gleichzeitig warnen Energieanalysten, dass die EU inzwischen für mehr als die Hälfte ihrer LNG-Importe von den USA abhängig ist.

Erneuerbare Energie als geopolitischer Puffer

Für europäische Regierungen sind erneuerbare Energiequellen nicht nur eine Klimamaßnahme, sondern auch eine geopolitische Absicherung. Offshore-Wind wird als stabile, heimische Energiequelle für einen Kontinent angesehen, der über wenige eigene Gasreserven verfügt.

Die Vereinbarungen sollen zudem der Offshore-Windbranche einen Schub geben, die in den letzten Jahren mit steigenden Kosten und Verzögerungen bei Netzanschlüssen zu kämpfen hatte. Regierungen sind daher bereit, Entwicklern häufiger Preisgarantien zu bieten, zum Beispiel durch Mindestleistungsgarantien.

Die Kombination aus geopolitischen Spannungen, Energiesicherheit und Klimazielen sorgt dafür, dass Europa das Tempo anzieht. Die Botschaft der Minister ist klar: In einer Welt, in der sich internationale Verhältnisse schnell ändern können, will Europa weniger abhängig von externen Lieferanten sein und mehr Kontrolle über seine eigene Energieversorgung haben.

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