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Ripple will den XRP Ledger zu einer Kreditinfrastruktur für große Finanzakteure ausbauen. Seit Montag können Entwickler das neue XRPL Lending Protocol testen, über das institutionelle Kunden direkt auf der Blockchain Kredite gegen tokenisierte Vermögenswerte aufnehmen können. Ripple bezeichnet es als fehlenden Baustein für On-Chain-Finanzierung.

Zwei technische Bausteine im Kern

Das Protokoll besteht aus zwei technischen Upgrades: XLS-65 und XLS-66. XLS-65 führt den „Single Asset Vault“ ein, einen standardisierten Pool, in dem ein einzelner Vermögenswert gebündelt wird. XLS-66 überführt dieses Kapital anschließend in Kredite mit festen Konditionen.

Sobald ein Kredit läuft, übernimmt die Blockchain die gesamte Verwaltung. Dazu gehören Zinsen, Tilgung und die Abwicklung bei einem Zahlungsausfall. Ob eine Institution überhaupt kreditwürdig ist, entscheidet jedoch weiterhin der Kreditgeber selbst – außerhalb der Blockchain.

„Diese Trennung orientiere sich an realer Finanzinfrastruktur. Weil diese Unterscheidung erhalten bleibe, könne XRPL mit der Zeit ein breiteres Spektrum an Kreditstrukturen unterstützen, statt ein einzelnes Kreditmodell fest in eine Anwendung einzubauen“, schreibt Ripple in einem Blogbeitrag.

Bei Verlusten durch Zahlungsausfälle tragen zunächst die Pool-Verwalter und Kreditgeber selbst den Schaden. Eine Struktur, wie sie auch im traditionellen Bankwesen üblich ist.

Ripple betritt damit einen stark umkämpften Markt. DeFi-Protokolle wie Aave, Compound und Maple wickeln bereits On-Chain-Kredite in Milliardenhöhe ab. Aus Sicht von Ripple sind diese krypto-nativen Systeme jedoch nicht auf Wall Street zugeschnitten, weil ihre Risikoregeln per Abstimmung verändert werden können. Das Protokoll muss zunächst noch von den Validatoren des Netzwerks genehmigt werden.

Ungenutztes Kapital soll mobilisiert werden

Tokenisierte Vermögenswerte stehen im Zentrum des neuen Kreditprotokolls. Dabei handelt es sich um digitale Abbilder realer Anlagen wie Staatsanleihen, Geldmarktfonds oder Rohstoffe, die auf der Blockchain abgebildet werden.

Bislang lagen diese Token vor allem ungenutzt auf Millionen von XRPL-Konten. Mit dem Update können Institutionen sie als Sicherheiten für Kredite einsetzen, statt sie lediglich als statischen Bestand zu halten.

Ein Beispiel wäre eine Institution, die tokenisierte US-Staatsanleihen auf XRPL hält. Statt diese ungenutzt liegen zu lassen, kann sie die Token als Sicherheit einsetzen, um kurzfristige Liquidität aufzunehmen. Nach Rückzahlung des Kredits werden die Anleihen wieder freigegeben.

Was Ripple alles anbietet

Ripple ist längst mehr als nur der XRP Ledger. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren mit milliardenschweren Übernahmen ein umfassendes Angebot für Banken und große Finanzakteure aufgebaut.

Die wichtigsten Bereiche im Überblick:

  • Ripple Payments: sehr schnelle grenzüberschreitende Zahlungen zwischen Banken und Zahlungsdienstleistern, bei denen XRP häufig als Brückenwährung zwischen Währungen dient.
  • XRP Ledger (XRPL): die offene Blockchain hinter XRP, ausgelegt auf schnelle und günstige Transaktionen. Sie wird zunehmend für die Tokenisierung realer Vermögenswerte wie Staatsanleihen und Rohstoffe genutzt.
  • RLUSD: Ripples eigener an den Dollar gekoppelter Stablecoin, der Ende 2024 gestartet wurde und inzwischen einen Marktwert von 1,5 Milliarden Dollar erreicht.
  • Ripple Custody: Verwahrdienst für Banken und Unternehmen zur sicheren Aufbewahrung digitaler Vermögenswerte. Aufgebaut wurde das Geschäft über die Übernahmen des Schweizer Unternehmens Metaco (2023, 250 Millionen Dollar), von Standard Custody (2024) und Palisade (2025).
  • Ripple Prime: Prime Brokerage für institutionelle Kunden mit Dienstleistungen wie Clearing, Finanzierung und Handel. Entstanden ist der Bereich aus der Übernahme von Hidden Road für 1,25 Milliarden Dollar, die im Oktober 2025 abgeschlossen wurde.
  • Ripple Treasury: Software, mit der Unternehmen ihre Liquidität und digitalen Vermögenswerte zentral verwalten können. Der Bereich geht auf die Übernahme von GTreasury für 1 Milliarde Dollar zurück.
  • Rail: Stablecoin-Zahlungsplattform für Geschäftstransaktionen, die im August 2025 für 200 Millionen Dollar übernommen wurde.

Seit 2023 hat Ripple rund 3 Milliarden Dollar in Übernahmen investiert, um sich zu einem zentralen Anbieter für institutionelle Kunden zu entwickeln. Das neue Lending Protocol fügt sich in diese Strategie ein: als weiterer Baustein für On-Chain-Finanzierung.

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