Ölpreis steigt weiter, da Spannungen um Iran zunehmen. Brent-Öl erreicht das höchste Niveau seit Kriegsbeginn, nachdem Berichte über neue militärische Optionen für Präsident Donald Trump bekannt wurden.
Laut Axios erhält Trump ein Briefing von Admiral Brad Cooper des US-amerikanischen Central Command. Dies deutet darauf hin, dass eine Wiederaufnahme militärischer Operationen ernsthaft in Betracht gezogen wird, berichten anonyme Quellen der Nachrichtenseite.
Die Reaktion auf dem Ölmarkt ließ nicht lange auf sich warten. Brent durchbrach die Grenze von 124 Dollar pro Barrel, das höchste Intraday-Niveau seit Juni 2022.

USA erwägen Einsatz von Hyperschallraketen
Die Vereinigten Staaten erwägen den Einsatz von Hyperschallraketen im Nahen Osten. Sollte dies geschehen, wäre es das erste Mal, dass diese Waffenart tatsächlich eingesetzt wird. Hyperschallraketen fliegen mehr als fünfmal so schnell wie der Schall und sind daher schwer abzufangen.
Dieser Schritt fügt sich in eine umfassendere Verschärfung der amerikanischen Linie ein. Trump hatte zuvor erklärt, dass die Seeblockade iranischer Häfen erst aufgehoben wird, wenn ein Nuklearabkommen vorliegt. Gleichzeitig versucht Washington, zwei beschlagnahmte Öltanker, die mit Iran in Verbindung stehen, rechtlich endgültig zu übernehmen.
Die Auswirkungen auf den Energiemarkt sind erheblich. Die Straße von Hormus ist seit Beginn des Konflikts Ende Februar nahezu lahmgelegt, was die Öl- und Gasversorgung stark beeinträchtigt und die Preise in die Höhe treibt.
Gleichzeitig sucht die Regierung nach einem Gleichgewicht. Laut Weißem Haus sprach Trump am Dienstag mit führenden Vertretern der Öl- und Handelsbranche über Möglichkeiten, den Druck auf Iran aufrechtzuerhalten, ohne den amerikanischen Verbraucher zu stark zu belasten.
Iran bleibt standhaft
Iran bleibt in der Rhetorik hart. Mohsen Rezaee, militärischer Berater des obersten Führers, warnte, dass das Land zurückschlagen werde, falls die amerikanische Blockade anhält, berichtete das Staatsfernsehen.
Auch Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf teilte aus. Laut ihm versucht Trump, Iran durch wirtschaftlichen Druck und interne Spaltungen in die Knie zu zwingen, so die Nachrichtenagentur Tasnim.
Analysten zufolge sinkt damit die Wahrscheinlichkeit einer schnellen Lösung. „Trump hat das Sicherheitsgefühl, an das sich der Markt klammerte, zerstört: die Hoffnung, dass der Krieg bald vorbei ist“, sagte Robert Rennie von Westpac. „Händler sehen sich nun der Realität gegenüber. Beide Seiten glauben, noch gewinnen zu können, und keiner hat einen echten Anreiz, zu verhandeln. In der Zwischenzeit steigen die Energiepreise weiter an.“
Markt in Aufruhr
Der Energiemarkt reagiert zunehmend heftig auf die Situation um die Straße von Hormus. Durch Blockaden der Vereinigten Staaten und Irans ist der Schiffsverkehr nahezu zum Erliegen gekommen, obwohl normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung über diese Route erfolgt.
Die Internationale Energieagentur spricht von der größten Störung des Ölmarktes aller Zeiten. Das Handelshaus Vitol erwartet, dass der Angebotsverlust auf etwa eine Milliarde Barrel ansteigen könnte, was den Druck auf die Preise weiter erhöht.
Seit der Entsendung von US-Kriegsschiffen Mitte April wurden bereits Dutzende Schiffe aufgehalten. Die mögliche Beschlagnahmung von Ölladungen ist Teil einer umfassenderen Strategie Washingtons, um Iran wirtschaftlich weiter unter Druck zu setzen.
Gleichzeitig versucht die USA, Verbündete zu mobilisieren. Laut dem Wall Street Journal bittet Washington andere Länder, sich einer Koalition anzuschließen, die die Durchfahrt durch die Straße von Hormus sichern und den Schiffsverkehr wieder in Gang bringen soll.
US-Export erreicht Rekorde
Der US-Ölexport erreichte letzte Woche ein Rekordniveau, da Käufer weltweit auf die USA ausweichen, um das wegfallende Angebot aus dem Nahen Osten auszugleichen. Die Exporte überstiegen 6 Millionen Barrel pro Tag, deutlich über dem bisherigen Rekord von rund 5,3 Millionen Barrel Ende 2023.
Gleichzeitig deuten mehrere Signale auf zunehmende Knappheit hin. Der Preisunterschied zwischen den zwei nächstgelegenen Dezemberkontrakten für Brent-Öl ist auf über 11 Dollar pro Barrel gestiegen, während er vor zwei Monaten noch bei rund 3 Dollar lag. Diese Situation, bekannt als Backwardation, zeigt, dass Händler bereit sind, deutlich mehr für die sofortige Lieferung zu zahlen als für Öl zu einem späteren Zeitpunkt.
Marktteilnehmer berichten, dass diese Spannungen schon länger unter der Oberfläche sichtbar sind. „Es fühlt sich an wie ein Moment der Abrechnung“, sagte Energiehändlerin Rebecca Babin von CIBC. „Der Papiermarkt holt den physischen Markt ein, wo die Knappheit und verzögerte Lieferungen schon früher sichtbar waren.“
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