Die weltweiten Finanzmärkte befinden sich in einer gespannten Wartezeit nach amerikanischen Angriffen auf iranische Nuklearanlagen. Trotz der Eskalation bleibt eine große Störung vorerst aus, was sich in einer vorsichtigen Marktreaktion widerspiegelt. Was machen die Märkte genau?
Finanzmärkte bleiben ruhig
Die S&P 500-Futures stiegen leicht um 0,2 Prozent, während europäische Aktien nahezu stabil blieben. Der AEX erholte sich mit einem Anstieg von 0,9 Prozent ebenfalls stark. Atlantische Brentöl, das zuvor noch um 5,7 Prozent gestiegen war, schloss letztendlich flach. Der US-Dollar gewann 0,5 Prozent an Wert und Staatsanleihen fielen leicht im Wert. Bitcoin (BTC) handelt wieder über 100.000 Dollar, steht aber im Vergleich zu gestern 1 Prozent im Minus. Ethereum (ETH) handelt mehr als 0,5 Prozent niedriger als gestern.
Die relativ ruhige Reaktion ist laut Francisco Simon von Santander Asset Management darauf zurückzuführen, dass die Straße von Hormus, eine entscheidende Route für Öl- und Gastransporte, weiterhin offen ist: „Das Wichtigste ist, ob die Straße von Hormus geschlossen wird. Das ist nicht unser Basisszenario,“ so Simon.
Letzte Woche gab der Iran noch an, dass sie die Meeresstraße schließen würden, bei einem Eingriff der USA. Derzeit teilt der iranische Außenminister mit, dass „alle Optionen offen“ bleiben. Aber bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass der physische Ölverkehr gestört ist. Dennoch bleibt die Situation heikel und dieses Szenario bleibt im Erwartungsbereich.
Inflationsängste und wirtschaftliche Daten belasten das Sentiment
Man könnte es fast vergessen, aber der Markt bleibt auch empfindlich für Inflationserwartungen. Nach dem Angriff auf den Iran fielen die Zinsen zunächst, aber durch Sorgen über einen möglichen Anstieg der Inflation kehrte sich dies schnell um. Die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen stieg um zwei Basispunkte auf 4,39 Prozent. Laut Ulrich Urbahn von Berenberg könnte eine Schließung der Straße von Hormus zu einem Stagflationsszenario führen: „Das würde auch die Möglichkeiten der Zentralbanken einschränken, die Märkte zu unterstützen.“
Trotz geopolitischer Spannungen bleibt Panik auf den Märkten vorerst aus. Dennoch herrscht unter den Investoren eine vorsichtige Haltung, mit zunehmender Nachfrage nach Schutz und Risikoreduzierung. Ob dies der Beginn einer breiteren Bewegung hin zu wirtschaftlicher Instabilität ist, wird von den kommenden Tagen abhängen, und vor allem von Irans nächstem Zug.
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