Nach einem schwierigen Ende des Jahres 2025 scheint der Kryptomarkt am Beginn einer neuen Phase zu stehen. Nicht mehr die privaten Anleger, sondern zunehmend große Finanzinstitute bestimmen das Tempo und die Richtung des Marktes. Zu diesem Schluss kommt Binance Research in einer aktuellen Makroanalyse.
Von Privat- zu Strukturmarkt
Dem Forschungsinstitut zufolge wandelt sich der Kryptomarkt von einem durch kurzfristige Stimmungen und Momentum getriebenen Markt hin zu einer Struktur, in der institutionelles Kapital, strategische Allokation und Regulierung eine größere Rolle spielen. Binance spricht von einer „zweiten Welle“ der institutionellen Akzeptanz.
Die erste institutionelle Welle begann 2024 mit der Genehmigung von Bitcoin-ETFs in den USA. Diese Produkte ermöglichten es Rentenfonds, Vermögensverwaltern und anderen professionellen Akteuren, über regulierte Kanäle in Bitcoin zu investieren.
Laut Binance ist der Markt mittlerweile einen Schritt weiter. Große Banken beschränken sich nicht länger auf die Distribution, sondern beginnen selbst, Krypto-Produkte zu entwickeln. Als Beispiel nennt der Bericht die jüngsten ETF-Anträge von Morgan Stanley für Bitcoin (BTC), Solana (SOL) und Ethereum (ETH). Damit positioniert sich die Bank als aktiver Spieler im Kryptomarkt.
Dieser Schritt könnte Druck auf andere US-Großbanken wie Goldman Sachs und JPMorgan Chase ausüben, um in einer potenziellen Wachstumsbranche des Vermögensmanagements nicht zurückzubleiben.
Strategisch statt spekulativ
Binance Research sieht zudem eine wachsende Rolle für sogenannte Digital Asset Treasury-Unternehmen: Firmen, die Krypto, oft Bitcoin, als strategische Reserve in ihrer Bilanz halten. Diese Unternehmen liefen kürzlich Gefahr, aus wichtigen Aktienindizes ausgeschlossen zu werden, was zu erheblichen Zwangsverkäufen hätte führen können.
Diese Bedrohung verringerte sich, nachdem der Indexanbieter MSCI ankündigte, diese Unternehmen vorerst beizubehalten. Laut Binance unterstreicht dies, wie eng Krypto zunehmend mit traditionellen Finanzstrukturen verflochten wird.
Makro-Umfeld als Treiber
Auch die breitere wirtschaftliche Lage könnte sich zugunsten von Krypto auswirken. 2025 wurden große Teile der Renditen am US-Aktienmarkt von einer kleinen Gruppe von Technologieunternehmen getragen. Die zehn größten Unternehmen im S&P 500 zeichneten für mehr als die Hälfte der Gesamtgewinne des Index verantwortlich.
Diese Konzentration erhöht das Risiko für Anleger, so Binance. Angesichts dessen könnte Krypto als zusätzliche Diversifizierung dienen, insbesondere für institutionelle Akteure, die weniger abhängig von einer begrenzten Anzahl von Megakonzernen sein wollen.
Noch keine Garantie für Kursanstiege
Gleichzeitig warnt Binance, dass diese strukturelle Verschiebung nicht automatisch zu schnellen Kursanstiegen führt. Institutionelle Akzeptanz erfolgt in der Regel schrittweise, mit Fokus auf Risikomanagement, Regulierung und langfristigen Anlagehorizonten.
Während private Anleger oft auf Preisbewegungen reagieren, achten Institutionen stärker auf Liquidität, rechtliche Klarheit und makroökonomische Zusammenhänge. Das könnte den Markt stabiler, aber auch weniger explosiv machen.
Nach Ansicht von Binance kennzeichnet diese Phase vor allem einen Wandel darin, wer den Markt antreibt, nicht unbedingt, wie schnell sich Preise ändern. Der Kryptomarkt ähnelt damit immer mehr anderen etablierten Finanzmärkten: weniger Spektakel kurzfristig, aber mehr strukturelle Verankerung langfristig.
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