Das Vertrauen in den Kryptomarkt ist auf den tiefsten Stand seit über acht Monaten gefallen. Der bekannte Crypto Fear & Greed Index verzeichnete am Samstag einen Wert von 10 und trägt damit das Label Extreme Fear, nachdem Bitcoin am Freitag unter 95.000 Dollar gefallen war. Dennoch sehen Analysten Anzeichen dafür, dass die Lage weniger düster ist, als dieser Wert vermuten lässt.
Stimmung am Tiefpunkt, doch der Kontext fällt milder aus
Zuletzt stand der Index am 27. Februar so niedrig. Damals stürzte Bitcoin auf 84.000 Dollar ab, nach dem größten Abflusstag aller Zeiten bei Spot-Bitcoin-ETFs mit über 1,14 Milliarden Dollar an Nettoabflüssen.

Diesmal fällt der Preisrückgang weniger heftig aus, doch die Unsicherheit an den Märkten bleibt groß. Die Kombination aus anhaltendem makroökonomischem Druck, Unklarheit über die Zinspolitik der US-Notenbank und jüngster Volatilität stimmt Anleger vorsichtig.
“Weniger bearish als frühere Korrekturen”
Doch nicht alle sehen dunkle Wolken. Andre Dragosh, Forschungsleiter bei Bitwise in Europa, meint, die Stimmung sei weniger negativ als bei früheren Abschwüngen.
“Der Stimmungsindex ist bearish, aber weniger als bei früheren Korrekturen – obwohl die Kurse niedriger sind,” so Dragosh. Er weist darauf hin, dass der eigene Sentiment-Index von Bitwise sogar Anzeichen einer positiven Divergenz zeigt.
Chart-Signale deuten auf mögliche Erholung hin
Auch technische Analysten sehen hoffnungsvolle Signale. Sven Henrich, Gründer von NorthmanTrader, erkennt einen fallenden Keil (Falling Wedge) – oft ein Muster, das auf eine potenzielle Trendumkehr hindeutet – zusammen mit positiver Divergenz.
Zudem weist der Messari-Analyst “DRXL” auf einen auffälligen Unterschied zwischen der negativen Stimmung und den tatsächlichen Entwicklungen in der Branche hin.
“Ich habe in acht Jahren noch nie eine so große Kluft zwischen Schlagzeilen und Stimmung gesehen,” sagt er. “Alles, wovon wir je geträumt haben, passiert – und dennoch fühlt es sich an, als sei der Markt ausgebrannt.”
Gesunde Abkühlung?
Manche Analysten werten das Ausbleiben einer starken Jahresendrally sogar als positives Zeichen. Matt Hougan, Chief Investment Officer bei Bitwise, bezeichnet das Fehlen eines Schlussspurts gar als gesund für die Marktstruktur.
“Das größte Risiko wäre gewesen, wenn wir in den letzten Wochen des Jahres 2025 stark nach oben geschnellt wären, um anschließend wieder zu korrigieren,” sagt Hougan.
Auch wenn der Crypto Fear & Greed Index klar Angst signalisiert, deuten mehrere Indikatoren auf ein komplexeres Bild hin. Der Markt sucht weiter nach Orientierung, während die makroökonomische Unsicherheit anhält; zugleich bieten die Anzeichen positiver Divergenzen und stabilisierender Muster laut Analysten Spielraum für vorsichtigen Optimismus.
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