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Visa, Mastercard und Ripple machen einen wichtigen Schritt in Richtung eines neuen Zahlungssystems für künstliche Intelligenz (KI). Die Unternehmen zählen zu den ersten Mitgliedern der neuen x402 Foundation, die einen offenen Zahlungsstandard entwickelt, mit dem KI-Agenten und andere Software digitale Zahlungen eigenständig ausführen können.
Die Linux Foundation gab am Dienstag bekannt, dass die x402 Foundation offiziell gestartet ist. Insgesamt haben sich 40 Unternehmen und Organisationen angeschlossen, darunter American Express, Stripe, Google, Amazon Web Services, Shopify und Cloudflare. Zugleich hat Coinbase die Entwicklung des Protokolls an die unabhängige Stiftung übertragen, die künftig für die Verwaltung und Weiterentwicklung des Standards zuständig ist.
x402 ermöglicht es Software, ohne Bankkonto, Zahlungskarte oder menschliches Eingreifen direkt für digitale Dienste zu bezahlen. Nach Angaben der Initiatoren liegt die durchschnittliche Zahlung bei nur 32 US-Cent – ein Betrag, der über klassische Zahlungsnetzwerke wegen vergleichsweise hoher Transaktionskosten kaum wirtschaftlich abzuwickeln ist.
Die Liste der x402-Teilnehmer ist bemerkenswert. Große Zahlungsdienstleister wie Visa, Mastercard, American Express, Stripe, Adyen und Fiserv sind ebenso dabei wie die Technologieunternehmen Google, Amazon Web Services, Shopify und Cloudflare. Auch aus der Kryptobranche kommt breite Unterstützung, unter anderem von Ripple, Circle, MoonPay sowie den Stiftungen hinter Solana und Stellar.
Damit arbeiten traditionelle Finanzakteure und Kryptounternehmen erstmals gemeinsam an einem offenen Standard, mit dem Software Zahlungen eigenständig ausführen kann. Besonders für KI-Agenten könnte das ein wichtiger Schritt sein, weil sie digitale Dienste ohne menschliches Eingreifen bezahlen können.
Die Technologie baut auf dem Internetcode „402 Payment Required“ auf. Dieser wurde bereits vor mehr als 30 Jahren in den Webstandard aufgenommen, fand aber nie eine praktische Anwendung. Zahlungen im Internet liefen am Ende über Zahlungskarten, Abonnements und Werbung.
Coinbase belebte den Standard im Mai 2025 neu. Wenn ein KI-Agent oder ein anderes Softwareprogramm Zugriff auf kostenpflichtige Informationen erhalten will, sendet der Server zunächst eine „402 Payment Required“-Meldung mit dem fälligen Betrag. Die Software kann anschließend direkt eine Zahlung auslösen, meist in dem Stablecoin USDC. Sobald die Transaktion bestätigt ist, erhält das Programm automatisch Zugriff auf die angeforderten Daten oder den jeweiligen Dienst.
Dafür sind weder ein Konto noch eine Zahlungskarte oder eine bestehende Kundenbeziehung nötig. Gerade diese Einfachheit soll es KI-Systemen künftig ermöglichen, digitale Dienste eigenständig einzukaufen und zu bezahlen.
x402 wurde vor allem für KI-Agenten entwickelt, die digitale Dienste eigenständig einkaufen müssen. Ein solcher KI-Agent kann kein Bankkonto eröffnen, keine Kreditprüfung durchlaufen und kein Abonnement abschließen, wohl aber selbstständig eine Blockchain-Transaktion signieren.
Dadurch kann die Software automatisch für Daten, Rechenleistung oder den Zugriff auf eine API bezahlen. Google hat den Standard inzwischen in seine eigene Infrastruktur für KI-Agenten integriert. Auch Cloudflare unterstützt x402 innerhalb seiner Entwicklerplattform.
Die ersten Nutzungszahlen zeigen, dass x402 vor allem für Mikrozahlungen eingesetzt wird. Nach Angaben des Protokolls wurden in den vergangenen 30 Tagen mehr als 75 Millionen Transaktionen verarbeitet, mit Zahlungen im Volumen von rund 24 Millionen Dollar zwischen mehr als 94.000 Käufern und 22.000 Verkäufern.
Im Schnitt geht es um lediglich 32 US-Cent pro Transaktion. Genau dafür wurde x402 entwickelt: für die Abwicklung großer Mengen kleiner Zahlungen, die über klassische Zahlungsnetzwerke wegen vergleichsweise hoher Transaktionskosten kaum rentabel wären.
Obwohl x402 inzwischen Millionen Transaktionen verarbeitet, bleibt das finanzielle Volumen vorerst überschaubar. In den vergangenen 30 Tagen liefen über das Protokoll rund 24 Millionen Dollar – nur ein Bruchteil der Beträge, die Visa und Mastercard täglich abwickeln.
Auch Daten von DefiLlama zeigen, dass sich das Ökosystem noch in einer frühen Phase befindet. Die Plattform weist für x402 ein DEX-Volumen von rund 559.000 Dollar in den vergangenen 30 Tagen aus sowie knapp 16.000 Dollar in den letzten 24 Stunden.
Diese Zahlen lassen sich allerdings nicht eins zu eins mit den Statistiken von x402 selbst vergleichen. Während x402 alle Zahlungen über das Protokoll erfasst, misst DefiLlama ausschließlich eine bestimmte Form von On-Chain-Handelsaktivität.
Dennoch verleiht die Unterstützung großer Namen wie Visa, Mastercard, Ripple, Google und Amazon Web Services dem Projekt sofort Glaubwürdigkeit. Durch die Ansiedlung bei der Linux Foundation soll x402 zu einem offenen Standard werden, der von verschiedenen Zahlungsnetzwerken, Blockchains und KI-Plattformen genutzt werden kann, ohne von einem einzelnen Unternehmen abhängig zu sein.
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