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Kevin Warsh möchte offenbar schnell eingreifen, um die Kommunikation der US-Notenbank (Federal Reserve) mit den Finanzmärkten zu verändern. Ehemalige Fed-Funktionäre glauben, dass der neue Vorsitzende bereits bei der Zinskonferenz im Juni damit beginnen könnte, die sogenannte Forward Guidance zurückzufahren.

Das ist von Bedeutung. Forward Guidance ist die Steuerung von Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Zinssenkungen oder -erhöhungen. Seit der Finanzkrise ist dies zu einem wichtigen Instrument der Zentralbanken geworden. Indem Anlegern im Voraus mitgeteilt wird, in welche Richtung sich die Zinsen entwickeln könnten, versuchen die Zentralbanken, die finanziellen Rahmenbedingungen zu beeinflussen.

Warsh scheint genau davon Abstand nehmen zu wollen.

Weniger Hinweise zur Zinspolitik

Warsh sagte bereits während seiner Anhörung im Senat, dass er nicht an Forward Guidance glaubt. Seiner Meinung nach sollte ein Fed-Vorsitzender nicht im Voraus verraten, welche Entscheidung später getroffen werden könnte.

Unter Warsh könnte die Fed damit für Wall Street deutlich unberechenbarer werden. Anleger sind daran gewöhnt, dass die Zentralbank über Pressemitteilungen, Reden und den berühmten Dot Plot Hinweise zur künftigen Zinspolitik gibt.

Dot Plot könnte überarbeitet werden

Der Dot Plot zeigt, wohin die Fed-Direktoren glauben, dass sich die Zinsen in den kommenden Jahren entwickeln sollten. Vierteljährlich geben die 19 Mitglieder des Offenmarktausschusses ihre Erwartungen für Zinsen, Inflation, Wachstum und Arbeitsmarkt bekannt.

Wall Street beobachtet dies äußerst genau. Eine kleine Verschiebung in den Dots kann Bewegungen bei Anleihen, Aktien, Bitcoin (BTC) und Gold auslösen.

Warsh sieht dies kritisch. Seiner Meinung nach könnten solche Prognosen dazu führen, dass Entscheidungsträger zu lange an einem veralteten Bild der Wirtschaft festhalten, selbst wenn sich die Realität bereits geändert hat. Das kann zu Politikfehlern führen.

Laut ehemaligen Funktionären könnte Warsh beschließen, keine eigenen Zinsprognosen mehr für den Dot Plot abzugeben. Er könnte auch versuchen, Formulierungen aus der Fed-Erklärung zu entfernen, die auf eine nächste Zinssenkung oder -erhöhung hinweisen.

Iran erschwert Kommunikation

Das Timing ist heikel. Durch den Krieg mit Iran sind die Inflationsaussichten unsicherer geworden. Höhere Energiepreise könnten die Inflation erneut ankurbeln, während die Wirtschaft gleichzeitig abkühlen könnte.

Das macht es für die Fed schwierig, im Voraus eine klare Richtung vorzugeben. Sollte der nächste Schritt eine Zinssenkung sein, um die Wirtschaft zu stützen? Oder doch eine Zinserhöhung, um die Inflation zu bekämpfen?

Innerhalb der Fed wächst daher die Unterstützung, die aktuelle Andeutung einer Lockerung aus der Erklärung zu streichen. Mehrere Entscheidungsträger sind der Meinung, dass sich die Zentralbank nicht zu früh festlegen sollte.

Mehr Unsicherheit für die Märkte

Für Anleger könnte dies erhebliche Folgen haben. Der Dot Plot und die Forward Guidance haben jahrelang dazu beigetragen, die Zinserwartungen zu verankern. Dadurch blieb die Volatilität am Anleihemarkt oft besser unter Kontrolle.

Wenn Warsh diese Signale zurückfährt, haben die Märkte weniger Orientierung. Dies könnte zu mehr Bewegung bei Zinsen, Aktien und dem Dollar führen.

Vor allem der Anleihemarkt könnte empfindlicher auf neue Inflations- und Arbeitsmarktdaten reagieren. Wenn die Fed weniger Richtung vorgibt, müssen Anleger selbst intensiver über den Zinsverlauf nachdenken.

Fed wird möglicherweise datengetriebener

Positiv ist, dass die Fed flexibler wird. Anstatt die Märkte monatelang im Voraus zu steuern, kann die Zentralbank auf jede Sitzung hin auf neue Daten reagieren.

Das passt zu einer Wirtschaft, in der die Unsicherheit groß ist. Ölpreise, Geopolitik, KI-Investitionen, Arbeitsmarktdaten und Inflation bewegen sich alle gleichzeitig. In einer solchen Umgebung kann zu viel Vorausplanung gefährlich sein.

Warsh möchte die Fed wahrscheinlich weniger prognostizieren und mehr reagieren lassen.

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