Ripple’s XRP Ledger hat erstmals eine grenzüberschreitende Transaktion mit einer US-Staatsanleihe zwischen zwei Banken abgewickelt. JPMorgan und Mastercard realisierten dies in fünf Sekunden, ein Prozess, der normalerweise ein bis drei Werktage dauert. Der Pilot ebnet den Weg für einen globalen 24/7-Handel mit tokenisierten Vermögenswerten.
So lief die Transaktion ab
Im Mittelpunkt des Piloten stand OUSG, ein Fonds der Tokenisierungsplattform Ondo Finance, der kurzfristige US-Staatsanleihen auf die Blockchain bringt. Dieser Fonds existiert bereits eine Weile und läuft auf mehreren Blockchains wie Ethereum (ETH), Solana (SOL) und seit letztem Sommer auch auf dem XRP Ledger.
Anleger, die in OUSG investieren, erhalten digitale Tokens auf der Blockchain, die vollständig durch US-Staatsanleihen gedeckt sind, die der Fonds besitzt. Diese bringen auch Zinsen, aktuell etwa 3,48 Prozent jährlich. Der große Unterschied zu herkömmlichen Anleihen ist, dass die Tokens rund um die Uhr handelbar sind.
Ripple wollte einen Teil seiner OUSG-Tokens gegen Dollar tauschen und initiierte den ersten Schritt auf dem XRP Ledger. Das Netzwerk wickelte diesen Tausch in weniger als fünf Sekunden ab.
Anschließend kam Mastercard ins Spiel. Das Multi-Token Network des Kreditkartenriesen fungiert als eine Art Übersetzer zwischen Blockchains und Banken. Mastercard nahm den Zahlungsauftrag auf und leitete ihn an Kinexys, das Blockchain-Plattform von JPMorgan, weiter.
JPMorgan unternahm den letzten Schritt und überwies die Dollar auf das Bankkonto von Ripple in Singapur. Normalerweise sind bei solchen grenzüberschreitenden Zahlungen mehrere Korrespondenzbanken involviert, die das Geld weiterleiten. Jeder Schritt kostet Zeit und Geld. In diesem Pilotprojekt lief alles in einem reibungslosen Ablauf ab, sogar außerhalb der Banköffnungszeiten.
„Dies ist das erste Mal, dass eine öffentliche Blockchain und die globale Bankinfrastruktur zusammen eine grenzüberschreitende Transaktion eines tokenisierten Fonds in Echtzeit abgewickelt haben“, schrieb Ondo Finance.
Wall Street wittert Milliarden
Die Tokenisierung erlebt eine ernsthafte Aufwärtsbewegung an der Wall Street. Laut Daten von RWA.xyz sind mittlerweile über 31,1 Milliarden Dollar an tokenisierten Vermögenswerten auf Blockchains verzeichnet. US-Schuldtitel machen mit einem Wert von über 15 Milliarden Dollar den größten Anteil aus.
Die Boston Consulting Group schätzte 2022, dass dieser Markt bis 2030 auf 16 Billionen Dollar anwachsen könnte. McKinsey geht davon aus, dass es eher 2 Billionen Dollar sein werden.
Für JPMorgan und Ondo ist dies nicht die erste Zusammenarbeit. Bereits im Mai 2025 verlagerten sie ein tokenisiertes Staatsanleihenfonds zwischen zwei verschiedenen Blockchains. Die Kinexys-Plattform von JPMorgan hat mittlerweile über 3 Billionen Dollar an Transaktionen abgewickelt.
Regulierung bleibt der Engpass
Der Internationale Währungsfonds warnte im April, dass die Tokenisierung Risiken von den Banken auf die Blockchains selbst und die darauf laufenden Smart Contracts verlagert. Das erschwert das Eingreifen in Krisensituationen erheblich.
Auch der Investor Kevin O’Leary, bekannt aus Shark Tank, äußerte am Mittwoch auf der Consensus Miami 2026 Bedenken. Seiner Meinung nach wird wirklich großes Kapital erst dann in tokenisierte Märkte fließen, wenn die Vereinigten Staaten klare Regelungen für Kryptomärkte verabschieden, die den Anforderungen der Securities and Exchange Commission (SEC) entsprechen.
„Wenn das passiert, wird sich alles ändern“, so O’Leary.
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