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Jeff Bezos sieht eine Zukunft, in der besonders schwere und umweltschädliche Industrie nicht mehr auf der Erde stattfindet, sondern im Weltraum. Nach Ansicht des Gründers von Blue Origin und Amazon könnte sich unser Planet dadurch eines Tages in einen „Gartenplaneten“ verwandeln, auf dem Natur und Lebensqualität im Mittelpunkt stehen.
So futuristisch die Idee klingt: Bezos sieht darin den logischen Endpunkt der Raumfahrtentwicklung.
Auf der Technologiekonferenz VivaTech bekräftigte Bezos seine langfristige Vision. Die Erde solle künftig vor allem ein Ort zum Leben sein, während die Schwerindustrie in den Weltraum verlagert werde.
Dafür sind Bezos zufolge große technologische Durchbrüche nötig. Raumfahrt müsse deutlich günstiger und zuverlässiger werden, zudem müssten Unternehmen Rohstoffe auf dem Mond, auf Asteroiden und auf anderen Himmelskörpern unseres Sonnensystems gewinnen können.
Blue Origin spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Raumfahrtunternehmen arbeitet an wiederverwendbaren Raketen und an Technologien, die langfristig Produktion im Erdorbit ermöglichen sollen. Am Ende könnte so eine vollständige Lieferkette entstehen, die nicht mehr von Starts von der Erde abhängig ist.
Bezos räumt ein, dass es sich um ein Vorhaben mit sehr langem Zeithorizont handelt. Selbst bei günstiger technologischer Entwicklung dürfte es noch Jahrzehnte dauern, bis Industrie in großem Maßstab außerhalb der Erde realistisch wird.
Seine Vision weist Parallelen zu der von Elon Musk auf, unterscheidet sich aber im Ziel. Während Musk mit SpaceX die Menschheit durch den Aufbau von Kolonien auf dem Mond und dem Mars zu einer multiplanetaren Spezies machen will, möchte Bezos die Erde entlasten, indem umweltschädliche Industrie in den Weltraum verlagert wird.
Bezos stützt seine Überlegungen auf die Arbeiten des Physikers Gerard K. O’Neill. Dieser beschrieb in den 1970er-Jahren riesige rotierende Raumstationen, Solarkraftwerke im All und die Nutzung von Rohstoffen aus dem Weltraum, um Industrie außerhalb der Erde zu ermöglichen.
Nach dieser Theorie könnte Produktion im Weltraum wegen der geringen Schwerkraft und der nahezu unbegrenzt verfügbaren Sonnenenergie effizienter sein. Zugleich ließe sich der Druck auf Umwelt und natürliche Ressourcen der Erde deutlich verringern.
Kritiker verweisen jedoch darauf, dass der Klimawandel und seine Folgen schon heute tiefgreifende Maßnahmen erfordern. Probleme wie Hitzewellen, überlastete Infrastruktur und steigende Versicherungskosten verlangten unmittelbare Lösungen, während Weltraumindustrie vorerst eine ferne Zukunftsvision bleibe.
Bezos betont deshalb, dass er auch in Lösungen auf der Erde investiert. Über seinen Bezos Earth Fund stellte er bereits 10 Milliarden Dollar für Klima- und Naturschutzprojekte bereit.
Vorerst bleibt der „Gartenplanet“ vor allem eine ambitionierte Langfristvision. Zugleich zeigt der Plan, wie Bezos die Zukunft der Raumfahrt versteht: nicht nur als Ziel für Raketen und Touristen, sondern als neuen Wirtschaftsraum, in dem eines Tages ein Teil der weltweiten Industrie angesiedelt werden könnte.
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