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Hyperliquid hat es auf die Seiten des Wall Street Journals geschafft. Das renommierte Wirtschaftsmagazin bezeichnet die dezentrale Handelsplattform als den Kiosk der Wall Street, da sie nie schließt. Seit der Markteinführung Ende 2024 verzeichnet sie ein starkes Wachstum, doch der Krieg zwischen den USA und Iran beschleunigte die Entwicklung erheblich.

Offen, wenn andere schließen

Während traditionelle Börsen am Wochenende schließen, bleibt die Kryptoplattform Hyperliquid rund um die Uhr geöffnet. Händler können dort jederzeit große Positionen auf- oder abbauen, lange bevor an der Börse die Eröffnungsglocke läutet.

Das WSJ berichtet von dem Hedgefonds-Händler Vala Zeinali. Als an einem Samstag im Februar die Nachricht eintraf, dass der US-Präsident Donald Trump Luftangriffe auf den Iran angekündigt hatte, loggte er sich entspannt auf der Plattform ein.

Zeinali hatte bereits auf Öl spekuliert und sah, wie der Preis durch die Nachricht in die Höhe schoss. Er schloss seine Position und erzielte einen Gewinn von 243 Prozent.

Normalerweise ist das gar nicht möglich. Öl wird über Futures an Börsen wie der New York Mercantile Exchange (NYMEX) gehandelt. Diese schließen freitags abends und öffnen erst sonntags wieder.

In dieser Zeit können Händler auf wichtige Nachrichten nicht reagieren. Wenn die Märkte dann wieder öffnen, ist oft die erste Reaktion auf die Preise bereits abgeklungen.

Normale Futures haben ein Ablaufdatum, an dem sie abgerechnet werden. Diese „Perps“ laufen jedoch unbegrenzt weiter. Man kann eine Position also so lange halten, wie man möchte. Dabei kommt ein Hebel ins Spiel, der es ermöglicht, mit einem kleinen Einsatz eine wesentlich größere Position einzunehmen. Dies erhöht sowohl den Gewinn als auch das Risiko.

Besonders an Hyperliquid ist, dass alles auf der eigenen, gleichnamigen Blockchain läuft. Bei großen Börsen wie Binance werden Orders hinter den Kulissen auf den eigenen Servern abgewickelt. Bei Hyperliquid wird jede Order, Stornierung und Transaktion direkt auf der Blockchain festgehalten und ist für alle sichtbar.

Die Popularität spiegelt sich im Kurs wider. Der HYPE-Token, die eigene Coin der Plattform, ist in diesem Jahr bereits um über 180 Prozent gestiegen, während viele Kryptowährungen an Wert verloren haben. Rekorde für HYPE häufen sich und sorgen weltweit für großes Interesse.

Entstanden aus dem FTX-Chaos

Das Plattform wurde vor drei Jahren von Jeff Yan, einem ehemaligen Quant-Händler bei Hudson River Trading, gegründet. Die Inspiration kam aus dem spektakulären Zusammenbruch der Kryptobörse FTX Ende 2022.

Diese Katastrophe machte Yan klar, dass Händler ihr eigenes Vermögen verwalten müssen, statt es einer Börse anzuvertrauen.

„Das Wichtigste war, dass Eigenverwahrung nicht nur ein akademisches Konzept ist, sondern eine essentielle Funktion, die die Nutzer verlangen werden. Ich bin erstaunt, dass die Nutzer nach FTX nicht mehr danach gefragt haben, aber es ist so einfach wie die Kontrolle über das eigene Geld zu haben“, erklärt Yan gegenüber der Zeitung.

Deshalb ist Hyperliquid dezentral organisiert. Händler koppeln ihre eigene Kryptowallet an die Plattform und handeln direkt aus dieser Wallet heraus. Es gibt keine Partei, die ihr Geld verwahrt, wie es bei FTX der Fall war.

Um handeln zu können, hinterlegen sie Sicherheiten in Form von Kryptowährungen. Diese Sicherheiten decken ihre Positionen ab. Läuft eine Wette zu stark ins Minus, wird die Position automatisch geschlossen, um den Verlust zu begrenzen.

Wall Street wittert seine Chance

Die etablierte Finanzwelt schaut zu, berichtet das WSJ. S&P Dow Jones Indices hat in diesem Jahr eine Lizenz für den S&P 500 für die Plattform erteilt, und Händler können bereits auf das noch nicht börsennotierte SpaceX von Elon Musk spekulieren.

Vorerst bleibt Hyperliquid für Amerikaner verboten, aber das könnte sich bald ändern. Die amerikanische Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat am Freitag einen Rahmen vorgestellt, der es registrierten Plattformen in den USA erlaubt, perpetual Futures anzubieten.

Nicht ohne Risiko

Die hohen Hebel machen es auch extrem gefährlich. Am 10. Oktober kündigte Trump 100-prozentige Importzölle gegen China an, was eine Verkaufswelle auslöste, die weltweit mehr als 19 Milliarden Dollar an Positionen auslöschte. Allein auf Hyperliquid handelte es sich um 10 Milliarden Dollar.

Hohe Bäume fangen viel Wind. Laut Yan war der tatsächliche Schaden viel größer, aber seine Plattform wurde herausgepickt, weil sie transparent über die Liquidationen blieb und einfach online blieb.

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