Der Goldpreis ist erneut über die Marke von 5.000 Dollar pro Unze gestiegen. Doch die Erleichterung am Edelmetallmarkt könnte von kurzer Dauer sein. Laut Goldman Sachs droht ein massiver Abverkauf durch systematische Handelsstrategien, der auch Gold und Silber unter Druck setzen könnte.
Liquiditätssorgen belasten auch Gold
Goldman Sachs warnt davor, dass sogenannte Commodity Trading Advisers (CTAs), algorithmisch gesteuerte Fonds, die auf Basis von Markttrends handeln, in den kommenden Wochen möglicherweise Aktien im Wert von 80 Milliarden Dollar verkaufen könnten. Die Gründe: gestörtes Marktgleichgewicht und zunehmende Volatilität. Selbst bei stabilen Aktienmärkten dürften diese Fonds voraussichtlich Nettoverkäufer bleiben.
Die Bank hebt hervor, dass die Liquidität auf dem Markt bereits erheblich gelitten hat. Das bedeutet, dass Preisbewegungen schneller und heftiger ausfallen können. Gold und Silber, die normalerweise als sichere Häfen gelten, sind in einem solchen Klima nicht unbedingt geschützt. Gerade in Zeiten allgemeiner Marktrückgänge werden diese Assets oftmals verkauft, um Liquidität freizusetzen.
Silberkurs zeigt extreme Schwankungen
In der vergangenen Woche hat Silber eine der größten Kursschwankungen der letzten Jahre erlebt. An einem Tag betrug die Schwankungsbreite fast 28 Prozent. Damit übertraf Silber sogar Bitcoin (BTC) in Bezug auf implizite Volatilität. Anleger reagieren offenbar nervös auf technische Signale und Unsicherheiten über Geldpolitik und geopolitische Risiken.
Silber fungiert teils als Edelmetall und teils als Industriemetall, was es besonders anfällig für Marktstimmungen und wirtschaftliche Daten macht. Nachdem der Kurs auf über 90 Dollar gestiegen war, fiel er kurz darauf auf 78 Dollar zurück.
Gold bleibt trotz Rückfallrisikos fundamental stark
Obwohl Analysten kurzfristige Rückgänge nicht ausschließen, bleiben die fundamentalen Aussichten für Gold gut. Der steigende Preis des Edelmetalls spiegelt teilweise die Schwächung des Dollars und wachsende Sorgen um die Nachhaltigkeit der US-Staatsfinanzen wider. Auch Zentralbanken halten trotz anhaltender Kursanstiege an ihren Goldreserven fest.

Einige Experten gehen davon aus, dass Gold im zweiten Quartal sogar wieder in Richtung 5.600 Dollar pro Unze steigen könnte. Dafür sind jedoch ‚frische‘ Impulse nötig, etwa schwache Wirtschaftsdaten oder eine Eskalation geopolitischer Spannungen.
Gold und Silber als Barometer für Systemstress?
Sollte es zu der prognostizierten Verkaufswelle an den Aktienmärkten kommen, könnten Edelmetalle in beide Richtungen ausschlagen. Einerseits durch ‚forced selling‘ in Paniksituationen, andererseits durch die Suche nach Sicherheit, falls das Vertrauen in Währungen oder Staatsanleihen schwindet. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Gold und Silber ihre Rolle als sichere Häfen behaupten können oder ob sie in die allgemeine Turbulenz hineingezogen werden.
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