Gold gilt traditionell als sicherer Hafen in Zeiten geopolitischer Unruhen. Doch seit dem Ausbruch des Konflikts mit Iran ist der Goldpreis um etwa 17 % gefallen. Damit schneidet das Edelmetall schlechter ab als nahezu jede andere Anlagekategorie. Was steckt dahinter?
Gold war schon vor Kriegsbeginn überhitzt
Ein wesentlicher Grund liegt schlicht in der Kursgeschichte. Gold, Silber und Platin waren 2025 extrem gefragte Anlagen. Silber und Platin sind noch immer etwa doppelt so viel wert wie vor einem Jahr, und Gold liegt trotz des jüngsten Rückgangs immer noch fast 50 % höher als vor zwölf Monaten.
Der Goldpreis erreichte seinen Höhepunkt am 29. Januar, einen Monat vor Ausbruch des Konflikts. Darauf folgte ein klassisches Momentum-Szenario: ein parabolischer Anstieg, der sein eigenes Gewicht nicht mehr tragen konnte. Investoren, die am Höhepunkt eingestiegen waren, begannen zu verkaufen. Und wer in einem volatilen Markt schnell Liquidität benötigt, verkauft zuerst die Positionen mit den höchsten Gewinnen.
Steigende Zinsen machen Gold weniger attraktiv
Ein weiterer Faktor sind die steigenden Anleiherenditen. Gold wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Im Gegenteil, es kostet Geld, es zu halten, etwa für Lagerung und Versicherung. Solange die reale Rendite auf US-Staatsanleihen, die Rendite nach Abzug der Inflation, negativ war, spielte das keine Rolle. Doch da Investoren nun wieder eine positive reale Rendite auf sichere Anleihen erzielen, wird das Halten von Gold relativ teurer.
Zentralbanken kaufen weniger Gold
Der wichtigste strukturelle Treiber für den Goldpreis der vergangenen Jahre war die steigende Nachfrage der Zentralbanken. Diese wollten weniger abhängig vom US-Dollar als Reserve sein, insbesondere nachdem die USA ihre Währung vermehrt als wirtschaftspolitische Waffe einsetzten, unter anderem mit Sanktionen gegen Russland. Die Rückkehr von Präsident Donald Trump und seine aggressive Zollpolitik verstärkten diesen Trend.
Doch das Tempo scheint sich zu verlangsamen. Laut World Gold Council kauften die Zentralbanken im Januar netto fünf Tonnen Gold, verglichen mit einem monatlichen Durchschnitt von 27 Tonnen im Jahr 2025. Und das war noch vor dem Krieg. Einige Länder erwägen nun sogar, Gold zu verkaufen, um Energie- und Verteidigungsausgaben zu decken. Die polnische Zentralbank erwähnte Anfang des Monats die Möglichkeit von Goldverkäufen, und in der Türkei könnte Gold eingesetzt werden, um die Lira zu stützen.
Langfristige Perspektive muss nicht verändert sein
Der Rückgang von Gold ist auffällig, doch die strukturellen Gründe, Gold zu halten, haben sich nicht grundlegend verändert. Wenn die Zinsen aufgrund höherer Inflation steigen, entsteht ein Stagflationsszenario, das historisch gesehen gerade für Edelmetalle vorteilhaft ist. Und die geopolitische Motivation der Zentralbanken, Alternativen zum Dollar zu suchen, ist eher größer als kleiner geworden.
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