Nach Monaten steigender Kurse und Optimismus an den Aktienmärkten schlägt plötzlich ein vorsichtigerer Ton bei zwei der größten Banken der Welt an. Spitzenmanager von Goldman Sachs und Morgan Stanley warnen, Anleger sollten sich nicht zu früh freuen: Eine Korrektur sei ihrer Ansicht nach unvermeidlich.
Großbanken rechnen mit Kurskorrektur
Laut CNBC erwarten sowohl Goldman Sachs als auch Morgan Stanley, dass die globalen Aktienmärkte innerhalb von zwölf bis vierundzwanzig Monaten eine deutliche Korrektur erleben könnten. Die Rede ist von einem Rückgang um zehn bis zwanzig Prozent.
Die Warnung folgt auf eine außergewöhnliche Börsenrally im Jahr 2025, in der Aktien weltweit Rekordstände erreicht haben. Seit Jahresbeginn liegt der S&P 500-Index, ein breiter Gradmesser für den US-Aktienmarkt, 19,7 Prozent im Plus — beachtlich für einen Index, der im Schnitt jährlich etwa sieben Prozent zulegt.
Die jüngsten Kursgewinne wurden vor allem durch Erfolge rund um Künstliche Intelligenz (AI) getrieben. So schrieb Nvidia kürzlich Geschichte: Es war nicht nur das erste Unternehmen, das eine Marktkapitalisierung von 4.000 Milliarden Dollar erreichte, inzwischen steht es als erstes überhaupt bei 5.000 Milliarden Dollar. Damit ist Nvidia nun mit Abstand das größte Unternehmen der Welt. Zum Vergleich: Apple und Microsoft folgen mit Bewertungen von 3.975 bzw. 3.842 Milliarden Dollar.
Zudem sorgten die jüngsten Zinssenkungen für zusätzlichen Optimismus. In den vergangenen zwei Monaten hat die US-Notenbank, die Federal Reserve (Fed), die Zinsen zweimal gesenkt. Fed-Chef Jerome Powell dämpfte jedoch die Erwartungen für weitere Senkungen. Er betonte, dass die Auffassungen innerhalb des FOMC für Dezember „weit auseinandergehen“.
Droht eine Blase?
Unter Anlegern wächst die Sorge vor einer möglichen Blase am Aktienmarkt. Der bekannte Analyst Michael Burry, weltweit bekannt durch The Big Short und seine erfolgreiche Vorhersage der Finanzkrise 2008, warnt nun vor einer neuen Blase. Diesmal werde sie durch die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz angefacht.
Die aktuelle Lage erinnere etwa an die Internetblase im Jahr 2000. So zeigt Burry eine Grafik, in der das Wachstum der Tech-Investitionen (Capex) in den USA derzeit mit dem der Dotcom-Blase um 2000 Schritt hält.
Nach Ansicht der Topbanker ist das Risiko eines vorübergehenden Rückgangs real, doch es bestehe kein Grund zur Panik und keine große Blase. Sie betonen, dass Korrekturen in lang anhaltenden Bullenmärkten normal sind und eher Chancen als Risiken bieten. Ted Pick, CEO von Morgan Stanley, nennt einen temporären Rückgang von zehn bis fünfzehn Prozent „gesund“. Eine Korrektur bedeute nicht automatisch eine Krise, sondern vielmehr eine Gelegenheit zum Wiedereinstieg.
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