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Bei der Federal Reserve wächst die Sorge über die Inflation in den USA. Aus dem Protokoll der Zinssitzung im Juni geht hervor, dass die Währungshüter künstliche Intelligenz ausdrücklich als Treiber des Preisdrucks sehen – ein Phänomen, das inzwischen als „Chipflation“ bezeichnet wird. Rückt damit eine Zinserhöhung ernsthaft näher?
Am gestrigen Abend wurde das Protokoll der Zinssitzung vom 16. und 17. Juni veröffentlicht. Es war die erste Sitzung unter dem Vorsitz von Kevin Warsh, der die Märkte damals bereits mit einem harten Ton in der Inflationsbekämpfung überrascht hatte.
Eine Mehrheit der Währungshüter verweist darauf, dass die Inflation seit mehreren Jahren über dem Zielwert von 2 Prozent liegt. Dadurch steigt das Risiko, dass Haushalte und Unternehmen höhere Preise als Normalität akzeptieren – mit entsprechend höheren Lohnforderungen und weiteren Preisanhebungen.
Zudem bereiten den meisten Entscheidungsträgern die Energiepreise Sorgen, die infolge des Iran-Kriegs deutlich gestiegen waren. Zuletzt war dieser Anstieg vollständig wieder aufgezehrt, doch in den vergangenen Tagen ziehen die Preise erneut kräftig an, weil die Spannungen wieder zunehmen. Das zeigt, wie empfindlich der Ölmarkt weiterhin auf jede neue Entwicklung reagiert.
Den Anstieg der Kernwareninflation – also bei Gütern ohne die schwankungsanfälligen Lebensmittel- und Energiepreise – führen die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses unmittelbar auf Importzölle und KI-bedingten Preisdruck zurück. Die enorme Nachfrage nach Rechenleistung bringt Teile der Wirtschaft aus dem Gleichgewicht.
In den Protokollen heißt es, die anhaltend starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur dürfte den Aufwärtsdruck auf die Preise von Technologieprodukten und Strom aufrechterhalten.
Die sogenannte „Chipflation“ ist Folge der gewaltigen Investitionswelle in künstliche Intelligenz. Tech-Konzerne wie Amazon, Google und Microsoft stecken in diesem Jahr zusammen mehr als 600 Milliarden Dollar in Rechenzentren: riesige Hallen voller Computer, auf denen KI-Modelle laufen.
All diese Computer benötigen Chips und Strom – sehr viel Strom. Hersteller und Stromnetze können mit dieser Nachfrage nicht Schritt halten, entsprechend steigen die Preise.
Auch Verbraucher zahlen dafür mit. Dieselben Chips stecken schließlich auch in Laptops und Smartphones, zudem konkurrieren Haushalte mit Rechenzentren um Strom. So verteuert sich der Alltag, und die Inflation nimmt zu.
Einige Währungshüter erwarten, dass KI die Inflation durch Produktivitätsgewinne langfristig eher dämpfen wird. Zugleich warnen sie jedoch, dass dieser Effekt voraussichtlich Zeit brauche, bis er sichtbar werde.
Die Fed beließ den Leitzins im Juni einstimmig bei 3,50 bis 3,75 Prozent, wo er seit Dezember liegt. Einige Währungshüter sprachen sich damals bereits für eine Erhöhung aus, trugen die Zinspause aber mit.
Schon beim Zinsentscheid wurde deutlich, dass sich die Stimmung dreht. Neun der 18 Entscheidungsträger rechnen bis zum Jahresende mit mindestens einer Zinserhöhung. Im März hatte noch niemand damit gerechnet. Zudem stieg die Inflationserwartung für Ende dieses Jahres von 2,7 auf 3,6 Prozent.
Das Protokoll bestätigt nun, dass die meisten Währungshüter die Zinsen leicht anheben wollen, falls die Inflation hoch bleibt. Für die Sitzung am 29. Juli preist der Futures-Markt laut CME Group eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent für eine Pause ein.
Das Protokoll gibt auch Einblick in den neuen Kurs von Warsh. Es gab breite Unterstützung dafür, die Erklärung nach dem Zinsentscheid zu straffen. Zudem richtete der Vorsitzende fünf Arbeitsgruppen ein, unter anderem zu Kommunikation und Inflationsmessung.
Warsh will sich von der Forward Guidance lösen, bei der die Zentralbank einen Ausblick auf ihre künftige Zinspolitik gibt. Marktteilnehmer sollen ihre Einschätzungen selbst treffen, statt von der Fed mundgerecht serviert zu bekommen, was sie denken sollen.
Für die Finanzmärkte ist hohe Inflation aus mehreren Gründen eine schlechte Nachricht. Zunächst bleibt den Menschen schlicht weniger Geld übrig, wenn der Alltag teurer wird. Damit sinkt auch der Spielraum für Investitionen in Aktien oder Krypto.
Zugleich zwingt eine hartnäckige Inflation die Zentralbanken, die Zinsen länger hoch zu halten oder sogar weiter anzuheben. Das treibt auch die Renditen von Anleihen nach oben. Anleger entscheiden sich dann eher für solche sicheren Erträge, statt mit Aktien oder Krypto höhere Risiken einzugehen.
Schließlich verengt sich die Liquidität, es fließt also weniger Geld durch die Wirtschaft. Wenn Banken Kredite vergeben, schaffen sie neues Geld, das in Umlauf kommt. Werden Kredite teurer, geschieht das seltener – und dieser Geldstrom versiegt.
Die USA haben den zweiten Tag in Folge Angriffe auf den Iran geflogen. Teheran reagierte mit Gegenschlägen gegen Bahrain, Kuwait und Katar. In der Straße von Hormus kommt der Verkehr nahezu zum Erliegen.
Das Fed-Protokoll zeigt, dass mehrere Währungshüter eine Zinserhöhung erwogen. Inflation und steigende Ölpreise erhöhen die Unsicherheit zusätzlich.
Trump hält weitere US-Angriffe auf Iran für wahrscheinlich und droht mit einer Blockade. Teheran kündigt eine unmittelbare Antwort an, der Ölpreis steigt.
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