Die Inflation in der Eurozone ist im Mai zum ersten Mal seit acht Monaten auf unter 2 Prozent gefallen. Laut Zahlen von Eurostat lag die Inflation bei 1,9 Prozent, während Ökonomen eine Erwartung von 2,0 Prozent ausgesprochen hatten. Diese Entwicklung nährt die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bald die Zinsen senken wird.
Kerninflation sinkt weiter
Die Kerninflation, die Lebensmittel und Energie nicht einschließt, fiel auf 2,3 Prozent. Besonders im Dienstleistungssektor nahm der Preisdruck deutlich ab. Damit bewegt sich die Inflation in Richtung des Ziels der EZB, die ein Niveau knapp unter 2 Prozent anstrebt.
Auffällig ist, dass dies erst das zweite Mal seit 2021 ist, dass der Inflationswert unter diese Grenze fällt. Der frühere Höhepunkt von 10,6 Prozent im Oktober 2022, verursacht durch die Energiekrise nach der russischen Invasion der Ukraine, liegt noch frisch im Gedächtnis.
Markt rechnet mit Zinssenkung der EZB
Das Timing dieser Zahlen ist wichtig. Die EZB beginnt am Mittwoch mit einer zweitägigen Zinssitzung. Der Markt rechnet bereits größtenteils mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte. Wenn das passiert, fällt der Einlagenzins auf 2,0 Prozent.
Dennoch gibt es unter den Politikern noch keinen vollständigen Konsens. Höhere Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur könnten die Inflation erneut anheizen. Auch geopolitische Spannungen, insbesondere mit den Vereinigten Staaten unter der Führung des 47. Präsidenten Donald Trump, sorgen für Unsicherheit.
Erwartungen für die Inflation gehen auseinander
Obwohl die EZB früher von einer Inflation von 2,3 Prozent im Jahr 2025 ausging, erwägen einige Politiker mittlerweile eine Abwärtskorrektur. Das Lohnwachstum verlangsamt sich, während die Arbeitslosigkeit historisch niedrig bleibt. Dies deutet auf nachlassenden Preisdruck hin. Gleichzeitig sind die Inflationserwartungen der Verbraucher auf 3,1 Prozent gestiegen.
Die Inflation ist zudem nicht der einzige Faktor, den die EZB berücksichtigen muss. Trump drohte letzte Woche mit neuen Einfuhrzöllen auf europäische Produkte. Die EU erwägt Vergeltungsmaßnahmen, obwohl Trump inzwischen Aufschub bis zum 7. Juli gewährt hat. Es bleibt jedoch unruhig. Die Auswirkungen dieser Handelsentwicklungen auf die Inflation und Wirtschaft sind vorläufig unsicher.
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