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Auf dem Papier scheint alles für einen neuen Krypto-Bullmarkt vorhanden zu sein. Die Vereinigten Staaten verfolgen eine freundlichere Politik, mehrere börsengehandelte Fonds (ETFs) wurden genehmigt, große Finanzinstitutionen steigen ein und auch Unternehmen nehmen Krypto in ihre Bilanzen auf. Dennoch liegt der Kryptomarkt niedriger als zu Beginn des Jahres. Das wirft eine grundlegende Frage auf: Warum steigen die Kurse nicht?
Laut CNBC-Analyst Ran Neuner wird es langsam unangenehm. „Irgendwann müssen wir zugeben, dass es ein strukturelles Problem im Kryptomarkt gibt“, sagte er diese Woche. Die Liste der positiven Entwicklungen ist lang: mehr Liquidität, institutionelle Nachfrage, pro-Krypto-Regulierung und starke Leistungen anderer risikoreicher Anlagen wie Aktien und Gold. Doch Bitcoin und Krypto bleiben zurück.
Der Gesamtwert aller Kryptowährungen zusammen ist seit dem Höchststand Anfang Oktober um mehr als 30 Prozent gesunken. Im Vergleich zum 1. Januar liegt der Markt fast 13 Prozent niedriger. Das steht in starkem Kontrast zu den traditionellen Märkten, wo viele Indizes neue Rekorde erreicht haben.
Laut Neuner gibt es letztendlich zwei mögliche Erklärungen. Entweder finden die Anleger heraus, wer strukturell verkauft und warum, oder es folgt eine starke Aufholjagd. „So funktionieren Märkte nun einmal“, stellt er fest.
Andere Analysten verweisen auf den außergewöhnlich hohen Hebeleffekt. Ökonom Adam Kobeissi nennt die aktuelle Phase einen „strukturellen Wandel“, in der große Liquidationen beinahe täglich vorkommen. In einem solchen Umfeld können die Kurse länger unter Druck bleiben, selbst wenn die zugrunde liegenden Entwicklungen positiv sind.
Auch technisch spielt sich viel ab. Analyst PlanB spricht von einem Erschöpfungskampf, bei dem den Verkäufern langsam die Munition ausgeht. Diese Verkaufsdruck kommt laut ihm von verschiedenen Seiten: frühen Bitcoin-Besitzern, die noch von früheren Abstürzen gezeichnet sind, technischen Händlern und Investoren, die an die Vierjahres-Kryptozyklus-Theorie glauben.
Einige Analysten sind weniger optimistisch und meinen, dass der Krypto-Winter faktisch bereits begonnen hat. Laut Markus Thielen von der Forschungsfirma 10x Research war Bitcoin sogar eine der ersten riskanten Anlagen, die eine abkühlende Wirtschaft einpreiste.
„Die breite Teilnahme privater Anleger hat sich in diesem Zyklus nie wirklich erholt“, sagt er. „Die Wertschöpfung beschränkte sich weitgehend auf Bitcoin, während andere Münzen hinterherhinkten.“ Seiner Ansicht nach ist der Markt seit Monaten in einer Korrekturphase, nicht in einem vorübergehenden Rückgang.
Gleichzeitig gibt es auch moderatere Stimmen. Laut Pantera Capital, einem großen Investor in Blockchain-Unternehmen, war 2025 ein historisch wichtiges Jahr, unabhängig von den Kursen. Das Unternehmen verweist auf strukturelle Fortschritte: Lockerungen bei den Regulierungsbehörden, die Einführung von Spot-ETFs, das Wachstum von Stablecoins und eine zunehmende Tokenisierung traditioneller Finanzprodukte.
„Dies war vielleicht das wichtigste Jahr überhaupt für Krypto“, behauptet Pantera. „Nicht wegen des Preises, sondern weil der Grundstein für nachhaltiges Wachstum gelegt wurde.“
Der Kryptomarkt scheint damit zwischen Versprechen und Realität gefangen zu sein. Strukturell steht der Sektor stärker da als je zuvor, doch die Anleger bleiben vorsichtig. Hohe Hebelwirkung, enttäuschende Liquidität und Unsicherheiten über makroökonomische Entwicklungen führen dazu, dass positive Entwicklungen noch nicht in höhere Kurse übersetzt werden.
Ob dies zu einem verzögerten Bullmarkt oder einer längeren Seitwärtsbewegung führt, wird von einem entscheidenden Faktor abhängen: wann das Vertrauen zurückkehrt und der Verkaufsdruck wirklich nachlässt. Bis dahin bleibt Krypto ein Markt, in dem gute Nachrichten nicht automatisch zu höheren Preisen führen.
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