Ethereum-Gründer Vitalik Buterin stellt die Rolle der sogenannten Layer-2-Netzwerke infrage. Seiner Ansicht nach funktioniert der Plan, Ethereum (ETH) über diese L2s zu skalieren, nicht mehr wie vorgesehen. Große Akteure wie Arbitrum, Optimism und Base reagieren unterschiedlich auf diese deutliche Kritik.
Einst die Zukunft, nun überholt?
Jahrelang war die Idee klar: Ethereum ist langsam und kostspielig, also bauen wir schnellere ‚Layer-2‘-Netzwerke darüber. Diese führen Transaktionen aus und übermitteln nur das Endergebnis an Ethereum. So blieb das Netzwerk sicher, wurde aber erheblich effizienter.
Buterin selbst war einer der größten Befürworter dieses Modells. Doch nun sagt er: „Diese Strategie funktioniert nicht mehr.“ Er verweist auf zwei große Probleme: Die Ethereum-Grundschicht wird selbst immer leistungsfähiger, und die meisten L2s sind noch lange nicht sicher und unabhängig genug. Sie laufen oft unter der Kontrolle weniger Personen, die das Netzwerk stilllegen können – exakt das, was Ethereum immer vermeiden wollte.
„Nicht jede L2 verdient das Ethereum-Label“
Buterin fordert nun eine neue Herangehensweise. Anstatt dass jede Layer 2 automatisch als „Teil von Ethereum“ angesehen wird, soll jedes Netzwerk seinen Mehrwert unter Beweis stellen. Dies könnte durch höhere Geschwindigkeit, bessere Privatsphäre oder einzigartige Funktionen geschehen, aber auf eine Weise, die zuverlässig und sicher ist.
Nur Netzwerke, die bestimmte Mindeststandards erfüllen, sollten sich weiterhin wirklich L2 nennen dürfen, so Buterin. Der Rest? Diese würden dann eher als eigenständige Blockchains mit einer Brücke zu Ethereum fungieren und nicht als dessen Verlängerung.
Arbitrum, Optimism und Base reagieren unterschiedlich
Die Reaktion aus der L2-Welt ließ nicht lange auf sich warten. Steven Goldfeder von Arbitrum ist anderer Meinung und betont, dass Ethereum ohne L2s nicht auskommt. Er weist darauf hin, dass Arbitrum an stark frequentierten Tagen manchmal mehr als tausend Transaktionen pro Sekunde abwickelt. „Ethereum kann das nicht leisten. Wenn man Rollups ausgrenzt, entwickeln große Unternehmen bald ihre eigenen Blockchains, losgelöst von Ethereum.“
Karl Floersch von Optimism sieht das anders. Er erkennt an, dass L2-Netzwerke noch viel Arbeit vor sich haben. Beispielsweise gibt es noch keine guten Brücken zwischen den verschiedenen L2s, und wer Geld abheben will, muss manchmal Tage warten. Er glaubt an eine Zukunft, in der jede L2 andere Schwerpunkte setzt: die eine auf Skalierung, die andere auf Privatsphäre oder spezielle Apps.
Base, das Netzwerk von Coinbase, steht eher auf Buterins Seite. Sie wollen sich insbesondere dadurch abheben, dass sie es Nutzern erleichtern, Apps zu verwenden, und arbeiten an besserer Privatsphäre und mehr Benutzerfreundlichkeit.
Nicht jede Layer 2 ist gleich
Die Diskussion zeigt auch, wie vielfältig die Gruppe der „L2s“ inzwischen ist. Grundsätzlich gibt es zwei Arten:
- Optimistic Rollups, wie Arbitrum und Optimism. Diese gehen davon aus, dass Transaktionen korrekt sind, es sei denn, jemand erhebt Einspruch. Dieses System funktioniert gut, führt jedoch zu langen Wartezeiten und weniger Privatsphäre.
- Zero-Knowledge Rollups, wie Starknet und zkSync. Diese liefern bei jeder Transaktion direkt mathematische Beweise mit. Das ist sicherer und schneller, aber technisch weitaus komplexer. Einige dieser Netzwerke entscheiden sich auch bewusst dafür, anders zu sein als Ethereum – etwas, das Buterin begrüßt.
Wohin geht die Entwicklung?
Die Zeiten, in denen eine Layer 2 einfach nur „Ethereum, aber schneller und günstiger“ sein musste, scheinen vorbei zu sein. Vitalik Buterin möchte, dass sich jedes L2-Netzwerk neu erfindet. Nicht nur, um Ethereum zu skalieren, sondern um etwas Einzigartiges zu bieten.
Ob dies nun mehr Privatsphäre, Apps, die es sonst nirgendwo gibt, oder völlig neue Techniken sind: Die Messlatte liegt höher. Ethereum selbst wird immer stärker. Die Frage ist also: Welche L2s bleiben relevant?
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